Presseberichte

Kiez - Schöneberg

Schöneberg
Oktober / November 2017
kostenlos
LEBEN IM KIEZ:
Juryfrei und Spaß dabei
GESCHICHTE IM KIEZ:
Bücherbus – Versorgung mit Lesestoff
MENSCHEN IM KIEZ:
Zum Glück gibt es ihn immer noch
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BÜCHERBUS – VERSORGUNG MIT LESESTOFF
In diesem Jahr konnte die Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg ein großes
Jubiläum feiern, ihr 50-jähriges Bestehen. Zur Jubiläumsfeier beschloss der
Bezirk die Fahrbibliothek mit einem Geschenk zu überraschen. Bevor der
betagte 25 Jahre alte Bücherbus völlig zusammenbricht, bekommt unser
Bezirk einen neuen Bücherbus. Wir vom Kiez Schöneberg haben die Spuren
der langen Geschichte mobiler Bibliotheken
verfolgt, die Menschen auch in
den entlegensten Winkeln der Welt mit
dem begehrten Lesestoff versorgen.
Bücher zu verleihen war die Voraussetzung,
vielen Menschen die
Möglichkeit zum Lesen zu geben,
denn Bücher waren ansonsten
einfach zu teuer.
Die wohl erste „ one-man-onewheel-
library“ gab es in Cumbria
(Nordengland), die erste „One-
Bücherbus Premiere 1979
Fotograf: Christoph Dahlmann
Quelle: Museen Tempelhof-Schöneberg
GESCHICHTE IM KIEZ
8 GESCHICHTE IM KIEZ horse-drawn-library“ gab es als „Warrington-Perambulating-
Library“ im Jahr 1858 in England (London) und könnte somit als
erste Fahrbibliothek gelten. Aus einem pferdebespannten Überlandwagen
wurden Bücher wohl 1905 im Staat Maryland in
Washington County (USA) verliehen. 1912 gab es wahrscheinlich
das erste book-mobile
in den USA. In den späten
1930er Jahren waren es schon
mehr als 60 Fahrzeuge landesweit.
Neben dem Bücherbus gibt es
in Norwegen und Schweden
sogar schwimmende Bibliotheken.
In Schweden und in der
Schweiz kommen die Bücher
per Eisenbahn zu den Lesehungrigen. Straßenbahnen übernahmen
die Bücherverteilung in Budapest und in München.
In Kenia tragen Kamele die mobile Bibliothek auf dem
Rücken, um die Menschen in abgelegenen Dörfern zu erreichen.
In Venezuela im Hochgebirge nutzt man Maultiere oder in
Mexiko und Kolumbien Esel. In Nicaragua unterhält der Verein
zur Förderung von Kulturprojekten in Nicaragua, Pan y
Arte, einen Bücherbus, der entlegene Dorfgemeinschaften,
Schulen und Gefängnisse versorgt. In Thailand wurden die
„Elephant-libraries“ 2002 mit dem UNESCO literacy prize
ausgezeichnet.
Die Fahrbibliotheken, auch Autobücherei, Bibliobus oder
Wanderbücherei genannt, werden heute in den unterschiedlichsten
Erscheinungsformen weltweit betrieben. Denn wer
liest, kann durch die ganze Welt reisen. Wissen zu vermitteln
wurde im 20. Jahrhundert ein erklärtes pädagogisches Ziel
und besonders Kinder sollen gefördert werden.
Fahrbibliotheken erreichen Deutschland, auch Berlin
Die erste reguläre Fahrbibliothek wurde zwischen 1925
und 1928 in Worms von der Stadtbibliothek eingerichtet
und 1927 im Saarland. Aber erst die 1929 gegründete Fahrbibliothek
der städtischen Bücherei Dresden sollte dauerhaft
bestehen bleiben. Mitte der 1960er Jahre kam es zu einem
regelrechten Gründungsboom von Fahrbibliotheken in vielen
Städten Deutschlands, um der Bevölkerung den Zugang zu
guten Büchern zu ermöglichen.
Schon in den 1930er Jahren waren Wanderbüchereien in den
weiten Siedlungsgebieten in Zehlendorf-Süd und Schlachtensee
unterwegs. Mit einem Auto wurden mehrere Haltestellen
angefahren, um die dortige Bevölkerung mit Büchern zu
versorgen. Sie waren Vorläufer der späteren großen Fahrbibliotheken.
Im Dezember 1956 war es dann soweit, der
erste Bücherbus in Berlin mit einer neuen Karosserie und
einem Secondhand-Fahrgestell ging in Zehlendorf auf Tour.
Er wurde 1965 durch ein größeres Fahrzeug ersetzt, mit
einem Bestand von nun 3.500 Medien.
Besichtigung der Autobücherei
Fotograf: unbekannt Quelle: Museen Tempelhof-Schöneberg
10 GESCHICHTE IM KIEZ Im Nachbarbezirk fuhr seit dem Oktober 1961 ein Sattelschlepper
der Stadtbücherei Steglitz mit dem ersten Bücherbus
sechs Haltestellen an. Bis zu drei Bände konnten die
Steglitzer für maximal drei Wochen ausleihen. Im September
1966 konnte die Stadtbücherei Steglitz den zweiten Bücherbus
in Betrieb nehmen. Der elf Meter lange, umgebaute alte
Reisebus war zuvor auf der Industrieausstellung zu besichtigen,
transportierte 3.500 Medien und war zunächst an drei
Wochentagen unterwegs
Vor 50 Jahren, im Sommer
1967, wurde auch in Tempelhof
eine Fahrbibliothek gegründet,
zunächst mit 4 Haltestellen.
Dafür schaffte man einen
10 Jahre alten Reisebus an.
Dieser erste Bus fand seinen
letzten Einsatz bei einer Abbruchfirma
auf einer sonnigen
Mittelmeerinsel, wo er inzwischen
völlig verrostet, immer mal wieder von Urlaubern
entdeckt und fotografiert wird. Das Nachfolgemodell konnte
1979 in Betrieb genommen werden und fuhr 13 Jahre durch
Tempelhof. Er tat dann noch einige Jahre im Bezirk Köpenick
seinen Dienst, wo nach der Wende eine neue Fahrbibliothek
aufgebaut wurde. Der dritte und jetzige Bücherbus konnte
1992 in Betrieb gehen und feiert, hochbetagt, in diesem Jahr
den 25. Geburtstag.
Im Juli gab es einen großen Festakt vor dem Rathaus Tempelhof:
50 Jahre Fahrbibliothek – 25 Jahre Bücherbus. Kinder der
Grundschulen hatten sich mächtig ins Zeug gelegt und ihre
Vorstellung von einem neuen Bücherbus zu Papier gebracht.
Die mobile Bibliothek in großflächigen Bezirken
wie Tempelhof- Schöneberg
„Unser Bezirk mit seinen verschiedenen Ortsteilen ist sehr
groß, daher braucht es eine mobile Bibliothek“, erklärt Burkhard
Kajewicz, Leiter der Fahrbibliothek. Der Bücherbus mit
ca. 3.000 – 4.000 Medien versorgt Menschen mit kurzen und
langen Beinen mit Lesestoff. Es werden nach einem festen
Tourenplan zwölf Haltestellen pro Woche angefahren. Davon
sind 6 Haltestellen an Grundschulen, die weit weg von der
nächsten Bibliothek entfernt liegen. Dort wird der Bücherbus
begeistert von den Kindern
empfangen, denn für Kinder ist
er häufig ihr erster Kontakt mit
einer Bibliothek und Büchern.
Mehrere Kitas in Mariendorf und
Lichtenrade bekommen Besuch
vom Bücherbus und werden
regelmäßig mit Bücherkisten beliefert.
In Friedenau steht der
Bus zweimal in der Woche gegenüber dem Rathaus Friedenau,
als alternativer Service zur bisher geschlossenen Gerhart-
Hauptmann-Bibliothek.
Der alte Bücherbus auf Sardinien
Foto: Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg
Die Kinder wissen schon wie ihr
neuer Bücherbus aussehen soll
Foto: Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg
12 GESCHICHTE IM KIEZ Der Leiter der Fahrbibliothek macht mit einigen Zahlen deutlich,
wie wichtig der Bücherbus für diesen Bezirk ist. „Im Jahr 2016
besuchten uns 42.000 Nutzer, die 103.000 Medien entliehen
haben“. Der Aufgabenbereich der Fahrbibliothek geht inzwischen
weit über den Bücherverleih hinaus. „Wir organisierten
241 Gruppenführungen mit 3.107 Teilnehmern und 27 Veranstaltungen
mit 1.350 Teilnehmern. Wir bieten Bibliothekseinführungen
und Bibliotheksunterricht in Form von
Projekten, in letzter Zeit auch für Willkommensklassen, in
deren Schulräumen an. Dort können wir auch digitale Medien
wie Tablet, I-Pad und Apps einsetzen. 251 Medienpakete
lieferten wir an Schulen und Kitas aus. Besonderen Spaß
machen immer wieder die Bilderbuchkino-Vorführungen in
den Kitas und Klassen. Dabei erscheinen die Bilder eines
Buches wie bei einem Dia-Vortrag auf einer großen Leinwand.
Auch für die Kleinsten ab 4 Jahren, gibt es neben der DVD
natürlich das Bilderbuch zum Anfassen. Lesungen mit Berliner
Kinderbuchautoren in den Schulen begeistern immer wieder.“
Bewältigt werden all diese Aufgaben
von dem Team der Fahrbibliothek
Tempelhof-Schöneberg,
dem zwei Bibliothekare,
eine Fachangestellte für Medienund
Informationsvermittlung
(FaMI) sowie zwei Bibliotheksangestellte
angehören. Die
Fachangestellte und die Bibliotheksangestellten
fahren auch den Bücherbus. Durch die Aufteilung
in Vormittags- und Abendhaltestellen fahren sie täglich
in zwei Teams. Die Fahrer sorgen für die Vorbereitung der
Ausleihe, stellen die technischen Voraussetzungen in und am
Bus sicher, überprüfen die Fahrtauglichkeit, bringen den Bus
zu den Nutzern. Sie sind aber auch wichtige Stützen bei der
Medienverbuchung im Bus. Die Bibliothekare beraten, verbuchen
Medien, führen Projekte der Leseförderung und
Informationsvermittlung sowie Veranstaltungen durch. Außerdem
sind sie für den Bestandsaufbau verantwortlich und geben
Bibliotheksunterricht.
Die Schulferien werden für die Grundreinigung des Fahrzeugs
genutzt und für die turnusmäßige Wartung in der Werkstatt.
Der Bus fährt aber auch, wenn möglich, die Nachmittags- und
Abendhaltestellen an. Es wird also nie langweilig im Bücherbus.
„Ein neuer Bücherbus muss her“
Wer die Lesekultur schon der Kleinsten fördern will, hat mit
dem Bücherbus ein bewährtes Instrument zur Hand. Aber
mit seinen 25 Jahren auf dem Buckel erfüllt der alte Bus nicht
mehr die geltende Abgasnorm und darf nicht die Umweltzone
befahren. Schulhaltestellen in Schöneberg und Tempelhof
mussten aufgegeben werden, die nur z.T. durch Standortbibliotheken
betreut werden. Aber das wird nicht so bleiben.
Auch die Firma Berlin Recycling, die den Bus jährlich mit viel
Geld fördert, will kein `weiter so´.
Lesen kann man überall
Foto: Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg
14 LEBEN IM KIEZ Zur Verbesserung der Lage in den acht Stadtbibliotheken im
Bezirk hat sich Ende Juli 2016 ein Freundeskreis zusammengefunden.
Sie gründeten den Verein „Freundeskreis der Stadtbibliothek
Tempelhof-Schöneberg“, um die Fahrbibliothek zu
unterstützen. Der Freundeskreis der Stadtbibliothek startete
in diesem Jahr die Kampagne „Ein neuer Bücherbus muss
her“ und konnte zur Jubiläumsfeier am 14. Juli 2017 vor dem
Rathaus Tempelhof der Bezirksstadträtin Jutta Kaddatz 350
Unterschriften überreichen. Der Leiter der Fahrbibliothek
Herr Kajewicz präsentierte ihr mehr als 350 Zeichnungen
von Kindern „Mein neuer Bücherbus“.
Der Bezirk hat in den letzten Jahren wohl mehrfach die
Chance vertan, einen neuen Bus mit Hilfe einer 50% Kofinanzierung
durch die EU zu bekommen. Die Fahrzeuge, die
auf dem neusten technischen Stand sind, kosten jetzt mindestens
450.000,-€, aber es ist beschlossene Sache: Tempelhof-
Schöneberg wird einen neuen Bücherbus bekommen. Wie
die neue Fahrbibliothek aussehen wird, mit welchem Antrieb
sie fahren und welche Ausstattung sie bekommen wird, das
wird sich nach der Ausschreibung zeigen. Die Ausschreibung
läuft und das war äußerst wichtig, bevor der 25 Jahre alte Bus
doch noch seinen Geist aufgibt. Herzlichen Glückwunsch.
Erika von Hören
WEITERE INFORMATIONEN:
Burkhard Kajewicz, Leiter Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg
Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg, Götzstr. 8/10/12, 12099 Berlin
www.stb-tempelhof-schöneberg.de
ebookfriendly.com/extraordinary-mobile-libraries/
www.atlasobscura.com/articles/vintage-photos-bookmobiles-traveling-libraries
Frank Sommer: Sprecher des Freundeskreis der Stadtbibliothek Tempelhof-
Schöneberg: www.freundeskreis-bibliothek-ts.de. Neue Mitglieder immer
willkommen


Der Bücherbus vor der Bruno-H.-Bürgel-Grundschule in Berlin-Lichtenrade    Foto: Dr. Gerhard Weil
Der Bücherbus vor der Bruno-H.-Bürgel-Grundschule in Berlin-Lichtenrade Foto: Dr. Gerhard Weil

Aus der Berliner Woche, Ausgabe Tempelhof vom 17.7. 2017

 

 

Letzte Ehre für alten Bücherbus

Tempelhof. Mit einem Festakt vor dem Rathaus Tempelhof wurden am 14. Juli das 50-jährige Bestehen der Tempelhof-Schöneberger Fahrbibliothek sowie der 25. Geburtstag des aktuellen Bücherbusses gefeiert. Es dürfte der letzte für ihn gewesen sein.Der Bus mit Dieselantrieb ist mit seinen 25 Dienstjahren fast ein Oldtimer und darf schon seit 2015 nicht mehr in die Umweltzone fahren. Wie berichtet, hat das Bezirksamt kürzlich der Anschaffung eines neuen Bücherbusses zugestimmt. Noch in diesem Jahr soll die Ausschreibung erfolgen. „Ein echtes Geburtstagsgeschenk zum 50-jährigen Jubiläum“, freut sich die Stadträtin für Bildung, Kultur und Soziales, Jutta Kaddatz (CDU).

Unter den Festgästen waren viele Schulkinder, die vom Zauberkünstler Felix Wohlfahrth bei Laune gehalten wurden. Die Grundschüler hatten sich zuvor an der Malaktion „Meine neue Fahrbibliothek – Wie könnte sie aussehen?“ beteiligt. Dem Aufruf zur Teilnahme waren insgesamt rund 300 Kinder gefolgt, dessen Entwürfe Burkhard Kajewicz, Leiter der Fahrbibliothek, bei den regelmäßig angefahrenen Grundschulen einsammelte. Am fleißigsten haben Schüler der Paul-Klee-Grundschule sowie der Grundschulen im Taunusviertel und am Dielingsgrund die zur Verfügung gestellten Busbildervorlagen ausgemalt. Die besten Entwürfe wurden vor dem Rathaus auf eine Wäscheleine gehängt und an den Bücherbus geklebt.

Der neue Bus ist zwar noch längst nicht in Sicht und wird frühestens im kommenden Jahr erwartet, aber die Nachnutzung des alten Fahrzeugs steht schon auf der Tagesordnung. Jedenfalls soll das Bezirksamt auf Antrag der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) schon mal prüfen, wie der alte Bücherbus nach seiner Ausmusterung „stationär nutzbar“ gemacht werden könnte und welche Schule, Jugendfreizeiteinrichtung oder welches Familienzentrum bereit wäre, den Bus als ehrenamtlich betriebene Lesestube, Schulbibliothek oder ähnliches zu übernehmen. In jedem Fall aber soll die Nachnutzung ohne Mittel- und Personaleinsatz des Bezirks erfolgen. HDK


Aus der Berliner Woche, Ausgabe Tempelhof vom 28.6. 2017

Neuer Bücherbus muss her

 

 

Da der Bücherbus keinerlei Umweltstandards mehr erfüllt, wird ein neuer angeschafft. (Foto: HDK)

 

Tempelhof-Schöneberg. Jahrelang schon schiebt das Bezirksamt die Anschaffung eines neuen Bücherbusses vor sich her. Nun hat es Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) endlich geschafft: Noch in diesem Jahr soll die Ausschreibung zwecks Kauf eines neuen Busses erfolgen.

 

Damit sieht Matthias Steuckardt, CDU-Fraktionschef in der BVV, erfreut eine langjährige Forderung seiner Partei erfüllt und sagt: „Der Bücherbus steuert insbesondere die Grundschulen im Süden des Bezirks an und leistet damit einen wichtigen Beitrag, um Kindern das Lesen nahezubringen. Auch die Menschen in der Umgebung der Standorte wissen den Bücherbus zu schätzen, da er neben einer Auswahl gut sortierter Literatur auch Formulare und Informationsblätter zu ihnen in den Kiez bringt.“

Der durchschnittlich mit 3000 bis 4000 Medien – Bücher, Zeitschriften, CDs, DVDs – bestückte Bibliotheksbus fährt zurzeit regelmäßig insgesamt zwölf Haltestellen, darunter sechs Schulen an. Der Fahrplan und die Haltestellen sind unter http://asurl.de/13cm anzuklicken.

Das aktuelle Modell des Bücherbusses, ein Volvo Diesel, hat zwar erst etwas mehr als 122 000 Kilometer auf dem Tacho und ist auch noch recht ansehnlich, darf aber wegen seiner Abgase schon seit 2015 nicht mehr in die Umweltzone fahren und fällt aufgrund notwendiger Reparaturen immer wieder für längere Zeit aus. Allerdings ist der offiziell Fahrbibliothek genannte Bus der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg auch schon seit 25 Jahren auf Achse und mithin fast ein Oldtimer. Zu den voraussichtlichen Kosten sagt Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD): "Da vergleichbare Fahrzeuge für knapp eine halbe Million Euro gehandelt werden, haben wir 490 000 Euro in den Bezirkshaushalt eingestellt."

Weitere Informationen unter  902 77 23 61. HD

 


Aus der Berliner Woche, Ausgabe Tempelhof vom 27.4. 2017

 

Neuer Bücherbus muss her

Tempelhof-Schöneberg. In diesem Jahr ist der Bücherbus der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg 25 Jahre auf Achse. Der Tacho zeigt rund 122 000 Kilometer. Für ein Vierteljahrhundert eigentlich ein Klacks.

Das Problem: Der äußerlich noch recht ansehnliche Diesel-Volvo erfüllt keinerlei Umweltstandards, stößt dicke schwarze Abgaswolken aus und darf schon seit Ende 2014 nicht mehr in die Umweltzone fahren. Außerdem fällt das Fahrzeug aufgrund notwendiger Reparaturen immer wieder für längere Zeit aus. Das soll sich demnächst ändern.

 

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat beschlossen, dass das Bezirksamt einen neuen Bus, möglichst mit Elektroantrieb, anschaffen soll. Das Bezirksamt muss nun zunächst prüfen, ob auch dafür eine Fördermöglichkeit über das Berliner Programm für nachhaltige Entwicklung (BENE) gegeben ist. Wenn ja, wird aber diese Förderung allein voraussichtlich nicht reichen. 

Deshalb sollen auch die 300 000 Euro, die das Berliner Abgeordnetenhaus dem Bezirk zwecks Förderung der Bibliotheksstandorte zur Verfügung stellt, für den neuen Bus ausgegeben werden. Der Rest sollte aus dem laufenden Haushalt abgezweigt werden. Aber auch das dürfte am Ende kaum für die Neuanschaffung ausreichen. Fachleute sagen nämlich, dass ein Elektrobus schließlich auch eine entsprechende Ladestation bräuchte, was insgesamt mindestens an die 700 000 Euro kosten würde. Und das geben nach Adam Riese weder Fördermittel noch Bezirkskasse her. Die reicht ja offenbar nicht einmal für den laufenden Betrieb aus. Jedenfalls wird der Bücherbus schon seit dem Jahr 2005 vom Unternehmen Berlin Recycling beträchtlich gesponsort.
Wie und mit welchem Antrieb auch immer: Die pro Tour durchschnittlich mit 3000 bis 4000 Medien – Bücher, Zeitschriften, CDs, DVDs - bestückte Fahrbibliothek mit Thomas Ebenstreit am Lenkrad fährt zurzeit regelmäßig insgesamt zwölf Haltestellen, darunter sechs Schulen im Bezirk, an. Das waren schon mal mehr. „Einige Schulen liegen in der Umweltzone und da dürfen wir ja nicht mehr reinfahren“, bedauert Burkhard Kajewicz, Leiter der Fahrbibliothek. Es ist übrigens erst der zweite Bus der Fahrbibliothek, die im Juli immerhin ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. Wann ein neuer Bus anrollt, ist noch offen. HDK


P r e s s e m i t t e i l u n g

des Vereins „Freunde der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg e.V.“

 

SOS – Rettet die Fahrbibliothek

 

Mit einer Einwohnerfrage am 15. Februar 2017 zur Zukunft des Bücherbusses hat der Verein „Freunde der Stadtbibliothek“ seine Kampagne zum Erhalt der Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg eröffnet.

 

„2017 muss über die Neuanschaffung eines Bücherbusses für Tempelhof-Schöneberg positiv entschieden werden“, erklärt der 1. Sprecher des Vereins Frank Sommer.

 

Im 50. Jubiläumsjahr der Fahrbibliothek muss über die Neuanschaffung des altersschwachen und umweltbelastenden Bücherbusses durch die Kommunalpolitik entschieden werden. Es ist nach Meinung des Vereins nicht hinnehmbar, dass die Fahrbibliothek nur durch ständige Notreparaturen des Fahrzeugs betriebsfähig gehalten werden kann. Angesichts des Alters von 25 Jahren droht täglich der Totalausfall dieser für einen Flächenbezirk so wichtigen Einrichtung.

 

Wegen des Vorlaufs von etwa einem Jahr fordert der Verein die BVV und das BA auf, noch in diesem Jahr über die Finanzierung in Höhe von etwa 500.000,- Euro zu entscheiden. Der Verein erwartet, anders als bei der verschleppten Hertie-Entscheidung, ein deutliches Zeichen der Kommunalpolitik für die Zukunft der Fahrbibliothek.

Bei Rückfragen wenden Sie sich an

Frank Sommer

Sprecher des Freundeskreises

Berlin, 15. Februar 2017

 


Aus der Berliner Woche, Ausgabe Tempelhof vom 14.12. 2016

BerlinTempelhof-SchönebergTempelhofKulturLeiter der Stadtbibliothek im Ruhestand

 

Leiter der Stadtbibliothek im Ruhestand

 

Tempelhof-Schöneberg. Der Leiter der Stadtbibliothek, Dr. Engelbrecht Boese, geht am Jahresende in den Ruhestand.

 

Der Freundeskreises der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg hat sich auf der Internetseite www.freundeskreis-bibliothek-ts.de mit einem großen Interview von ihm verabschiedet. In zehn Fragen und Antworten kann man sich über die Bibliotheksentwicklung im Bezirk informieren. Nach 26 Dienstjahren als Leiter der Tempelhofer, später der Tempelhof-Schöneberger Bibliotheken ist für Dr. Boese nun Schluss. Auf der Mitgliederversammlung des Freundeskreises Ende November wurden dem engagierten Leiter Dank und Anerkennung für seine überragenden Dienste im Einsatz für die Bibliotheken ausgesprochen. KT

 


Aus der Berliner Woche, Ausgabe Tempelhof vom 28. 9. 2016

 

Eine gewisse Schwammigkeit

'Die Entscheider müssen auch entscheiden.' Freundeskreis-Sprecher Frank Sommer (rechts) befragte in der Theodor-Heuss-Bibliothek Bezirkspolitiker, v.l. Jörn Oltmann (Grüne), Elisabeth Wissel (Linke), Melanie Kühnemann (SPD) und Christian Zander (CDU). Foto: KEN
"Die Entscheider müssen auch entscheiden." Freundeskreis-Sprecher Frank Sommer (rechts) befragte in der Theodor-Heuss-Bibliothek Bezirkspolitiker, v.l. Jörn Oltmann (Grüne), Elisabeth Wissel (Linke), Melanie Kühnemann (SPD) und Christian Zander (CDU). (Foto: KEN)
Berlin: Theodor-Heuss-Bibliothek |

In der BVV scheint niemand so recht zu wissen, wie es mit der Stadtbibliothek weitergeht

Schöneberg. Der neu gegründete Freundeskreis der Stadtbibliothek hat Bezirkspolitiker zum Thema „Zukunft der Stadtbibliothek in Tempelhof-Schöneberg“ befragt. Am Ende stellte Vorstandssprecher Frank Sommer eine „gewisse Schwammigkeit“ fest.

Von Christian Zander (CDU), Melanie Kühnemann (SPD), Jörn Oltmann (Grüne) und Elisabeth Wissel (Linke) wollte der Freundeskreis wissen, welche konkreten Schritte sie in der kommenden Wahlperiode zur Weiterentwicklung der Bibliotheken planen.
Die Stadtbibliothek mit ihrer Bezirkszentralbibliothek in Tempelhof, ihrer Mittelpunktbibliothek in Schöneberg, vier Stadtteilbibliotheken und einem Bücherbus ist veraltet und mit 3,16 Millionen Euro im Jahr unterfinanziert. Gebäude sind teilweise marode.
Viele der jährlich 620.000 Besucher werden der Stadtbibliothek mit 63 Mitarbeitern und 287.000 Medien untreu. Sie wandern ab, beispielsweise zur neuen Bibliothek im Einkaufszentrum „Das Schloss“ in Steglitz. Die Ursachen lauten: mangelndes Platzangebot und zu kurze Öffnungszeiten.
Das Eva-Maria-Buch-Haus braucht zumindest ein neues Dach und neue Fenster. Die Theodor-Heuss-Bibliothek benötigt einen Aufzug und neue WCs. Vom Bücherbus weiß niemand, wie lange er noch durchhält. Ein neues Fahrzeug kostet 400.000 Euro, die der Bezirk nicht hat.
Von der Idee der Union, für eine Bus-Neuanschaffung auf Gebühren aus der Parkraumbewirtschaftung zurückzugreifen, halten SPD und Grüne nicht viel. Die Linke kann sich hingegen damit „anfreunden“. Alle auf dem Podium befürworteten den Erhalt der Standorte. Dafür müsse endlich ein Landesbibliotheksgesetz her.
„Die Entscheider müssen auch Entscheidungen treffen“, so Moderator Frank Sommer. Was also beschließen die Bezirkspolitiker 2017? Der Unterausschuss Bibliotheken kann dazu nichts beisteuern. Er tagte seit 2013 26 Mal, zunächst nicht öffentlich. Ein Ergebnis – gibt es nicht; Beschlüsse, Zwischen- oder Abschlussberichte: Fehlanzeige. Eine Prognose für das nächste Jahr wagten die Gäste der Runde dann doch: Sanierungsplanungen abschließen und in die genannten Baumaßnahmen einsteigen.
Der Freundeskreis der Stadtbibliothek (www.freundeskreis-bibliotheken-ts.de) kommt am 11. Oktober zu seiner ersten ordentlichen Mitgliederversammlung zusammen; mehr Infos bei Frank Sommer unter 0172 3054869. KEN

Aus der Berliner Woche, Ausgabe Tempelhof vom 8. 8. 2016:

Gutes für die Bildung: Neue Aufgabe für Tempelhofs Alt-Bürgermeister

Tempelhof-Schöneberg. Angesichts der „teilweise verheerenden Lage“ in den acht Stadtbibliotheken im Bezirk hat sich, um gegenzusteuern, ein Freundeskreis zusammengefunden und Ende Juli den Verein "Freundeskreis der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg" gegründet. Nur die Gemeinnützigkeit fehlt noch.

Erklärtes Ziel des neuen Vereins, der zunächst mit den acht Gründungsmitgliedern die Arbeit aufgenommen hat, ist laut seiner Satzung die "Unterstützung der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg in ihren bildungspolitischen und kulturellen Aufgaben". 

Die Mitglieder verstehen sich als „Botschafter der Bibliotheken“, die sich für eine Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements, als Förderer von besonderen Projekten, als Plattform für die Interessen der Bibliotheksnutzer sowie für eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Bibliothekseinrichtungen als Bildungs- und Informationszentren einsetzen wollen. Insbesondere soll „bei den politischen Entscheidungsträgern für eine bessere Ausstattung und Anerkennung der Einrichtungen“ gesorgt werden. Zu diesem Zweck strebt der Verein noch vor den Wahlen eine Bürgerdiskussion zum Thema Zukunft der Tempelhof-Schöneberger Bibliotheken und eine Befragung der Parteien zum Thema an. 

Einfach mitmachen

Zudem sind alle interessierten Bürger zur Mitarbeit im Verein aufgerufen. Kontaktadresse: Freundeskreis der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg c/o Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg, Hauptstraße 40, 10827 Berlin. E-Mail: stabi@ba-ts.berlin.de. 

Auf der Gründungsversammlung wurde zunächst ein dreiköpfiger Vorstand gewählt. Sprecher sind Frank Sommer, Lesevermittler und Inhaber der Agentur „Eventilator“, und Dieter Hapel, ehemaliger Bildungsstadtrat und letzter Bürgermeister vom einstigen Bezirk Tempelhof. Dritte im Bunde ist die Literaturübersetzerin Ilse Layer, die den Bereich Finanzen und Mitgliederverwaltung verantwortet. Als nächstes soll die Eintragung beim Amtsgericht vorgenommen und die Anerkennung der Gemeinnützigkeit beim zuständigen Finanzamt betrieben werden. HDK