Das Interview

An dieser Stelle soll in regelmäßigen Abständen ein Interview mit Beschäftigten unserer Stadtbibliothek oder dafür Verantwortlichen erscheinen. Die vorhergehenden Interviews bleiben lesbar und wandern nach hinten!


10 Fragen an Bezirksstadträtin Jutta Kaddatz (CDU), ins Netz gestellt am 4. Januar 2018 vom Webmaster der Freundeskreis-Webseite, Dr. Gerhard Weil

Bezirkstadträtin Jutta Kaddatz (CDU),  Foto Weil
Bezirkstadträtin Jutta Kaddatz (CDU), Foto Weil

  1. Frau Kaddatz, Sie haben sich wie unser Freundeskreis, sehr engagiert für die Neuanschaffung eines Bibliotheksbusses eingesetzt, der umweltverträglich auch im Innenstadtbereich wieder fahren darf. Wie ist der Stand der Ausschreibung und ist die Anschaffung im Prinzip in trockenen Tüchern?

    Ich freue mich sehr, dass nach all dem Hin und Her und der mehrjährigen Wartezeit auf eine positive Entscheidung der BVV nunmehr mit einer Auslieferung des Busses im Herbst 2018 gerechnet werden kann. Die Ausschreibung hatte 3 unterschiedliche Angebote zur Folge, die eingehend geprüft wurden. Im November konnte dann die Bestellung ausgelöst werden. Der mit modernster digitaler Technik ausgestattete Bücherbus wird wieder all die Regionen anfahren, die bibliothekarisch gesehen einen festen Standort nicht in nächster Nähe haben, z.B. in Mariendorf oder aber gegenüber des  Rathauses Friedenau. Darüber hinaus prüft der Fachbereich die derzeitigen Standorte und Haltezeiten darauf, ob  diese geändert oder erweitert werden könnten.

  2. Ihr neuer Bibliotheksleiter, Dr. Rickum, hat in unserem letzten Interview sehr detailliert die veränderten Anforderungen an ein modernes, medien- und kommunikationsorientiertes Bibliothekskonzept erläutert, das die Bürgerschaft in ganz anderer Weise an die Standorte binden sollte. Dies kann keine der bisherigen Bibliotheken schon rein baulich leisten, ganz abgesehen vom gegenwärtigen maroden Zustand. Wie ist Ihre Sicht dazu?

    Seit Jahren erarbeitete der Fachbereich Stadtbibliotheken Konzepte, mit denen unsere bezirklichen Bibliotheken gestärkt werden können. Unabdingbar sind hierzu die bauliche Herrichtung der Standorte zum „Wohnzimmer der Stadtgesellschaft“. Das bedeutet nicht nur die Sanierung von maroden Toiletten und den Einbau von Aufzügen, wie für 2018 in der Mittelpunktbibliothek an der Hauptstraße geplant, sondern vor allem die dringend benötigten Flächenerweiterungen, damit kommunikative Ansätze wie Arbeits- und Aufenthaltsräume für unterschiedliche Zielgruppen überhaupt realisiert werden können. Die Bibliotheken müssen dringend Aufenthaltsqualität erreichen, ein Café für die Nutzerinnen und Nutzer z.B.  ist heute kein Luxus mehr, sondern Voraussetzung, um dem Anspruch unserer Besucherinnen und Besucher gerecht werden zu können. Bibliotheken sind nicht nur Orte des Wissens und der Bildung, sondern auch Orte, Neues zu erfahren, sich darüber auszutauschen mit anderen ggf. auch auszuprobieren. Lebendige Orte für alle Bürgerinnen und Bürger, für Groß und Klein – ohne Verzehrzwang, aber mit dem Anspruch, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

  3. Fangen wir mal mit der Planung für die „Neue Mitte Tempelhof“ an, wo es ja eine öffentliche Veranstaltung des Freundeskreises gegeben hat. Wie sehen Sie die Realisierungschancen?

    Die sehr gelungene Veranstaltung des Freundeskreises mit Bezirkspolitikern und –politikerinnen hat gezeigt, dass zwischen den unterschiedlichen Fraktionen der BVV große Einigkeit darin besteht, den sog. Kulturbaustein „Bibliothek +++“ zu ermöglichen. Das Areal rund um das Rathaus Tempelhof sollte in der Tat neu geformt werden - mit dem Blick auf die Herausstellung historischer Stätten, wie z.B. der alten Tempelhofer Dorfkirche und der Parks, aber auch die Bedürfnisse der wachsenden Stadt und des bisher nicht ausreichenden kulturellen Angebots in Tempelhof müssen bei einer Neuplanung berücksichtigt werden. Wohnungsbau allein garantiert noch keine Lebensqualität, Kunst und Kultur können hier an einem Ort Synergieeffekte nutzen, Kosten des Betriebs niedrig halten und ihr vielfältiges Angebot als VHS, Musikschule, Galerie und Bibliothek den Tempelhofern offerieren. In Zeiten wachsender Steuereinnahmen sehe ich optimistisch in die Zukunft und glaube, dass wir mit dem Alleinstellungsmerkmal eines gemeinsamen Kulturbetriebes in der Neuen Mitte Tempelhof die federführenden Senatsverwaltungen von der Realisierung überzeugen können.

  4. Im Stadtteil Lichtenrade mit hoher Bibliotheksnutzungsquote zeichnen sich mit der Alten Mälzerei ebenfalls mögliche Veränderungen ab. Sind diese realistisch?

    Zurzeit arbeiten wir daran, die Kosten so realistisch wie möglich aufzulisten, um eine Wirtschaftlichkeitsberechnung mit dem Ziel der „schwarzen Null“ aufzustellen. Das sieht zurzeit recht gut aus. Mit unseren Zahlen müssen wir auch hier SenFin überzeugen, denn sie und das Abgeordentenhaus müssen der Anmietung einer Fläche zustimmen. Die Abstimmungen mit dem Investor laufen bereits erfolgreich seit einigen Monaten und der Fachbereich erwartet auch hier deutliche Steigerungen von Ausleihen, Besuchern und Veranstaltungen, wenn mehr Fläche und auch Veranstaltungsräume zur Verfügung stehen.

  5. Und die Mittelpunktbibliothek an der Schöneberger Hauptstraße, sind dort außer der dringenden Toilettensanierung und dem Fahrstuhleinbau Erweiterungsbauten möglich bzw. wahrscheinlich?

    Wie bereits gesagt, wir freuen uns natürlich über die längst überfällige Toilettensanierung und den Einbau eines Aufzuges, damit Eltern mit Kinderwagen ober mobilitätseingeschränkte Personen auch in das 1. Stockwerk mit der Kinderabteilung gelangen können. Die Mittelpunktbibliothek platzt allerdings derzeit aus „allen Nähten“, hat erhebliche Zuwächse an Ausleihen und Besuchern und könnte viel mehr Veranstaltungen und Medien anbieten, wenn sie die Fläche dafür hätte. Die ersten Studien haben Erweiterungsmöglichkeiten gezeigt, welche realistisch umgesetzt werden können, wollen wir den Bereich FM prüfen lassen. Wir werden daher erneut die MPB für die bezirkliche Investitionsliste 2019-24 anmelden.

  6. Sie haben es im politischen Raum mit Ihrer Kulturpolitik angesichts der Mehrheit in der BVV, dem Bezirksparlament, nicht immer leicht, wie der Auflagebeschluss zur Sperrung des Medienetats über 100.000,-€ für 2018 und 2019 zeigt. Konnten Sie und Ihre Mitarbeiter*innen den Bezirkspolitiker*innen  nicht klarmachen, wie vergleichsweise unbefriedigend mit anderen Bezirken die Situation in unseren Bibliotheken ist?

    Seitdem ich das Amt übernahm, habe ich mich mit der BVV über den weiteren Weg der Stadtbibliothek in unserem Bezirk kritisch auseinandergesetzt. In Kontinuität mit meinem Vorgänger Dieter Hapel haben die Fachabteilung und ich immer wieder in diversen Konzepten auf die veränderten Erfordernisse moderner Bibliothekskonzeptionen hingewiesen. Spektakulär gescheitert sind wir mit dem Vorhaben, in das alte Hertie-Gebäude am Schöneberger Kaiser-Wilhelm-Platz einzuziehen. Die Planungen waren damals weit gediehen, das Mietangebot ernsthaft und vergleichbar günstig, dennoch konnte sich die BVV mehrheitlich nicht zu einer Veränderung hin zu einem integrierten Bildungs- und Kulturzentrum entschließen. Das ist außerordentlich zu bedauern, dennoch, wir müssen nach vorn schauen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachabteilung und ich, wir haben nicht aufgegeben, und so ist auch die Weiterentwicklung zur Neuen Mitte Tempelhof vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen zu verstehen. Wir haben, wenn Sie so wollen, Bewusstseinsbildung betrieben, einige BVV-Mitglieder bewegen sich in ihrer Auffassung über moderne Bibliotheksarbeit nach vorn.

    Der Beschluss, 100T€ im Medienetat zu sperren, ist allerdings völlig kontraproduktiv und berücksichtigt nicht, dass wir ohnehin immer weiter am Standortkonzept arbeiten. Die Sperre bedeutet, dass mindestens in den ersten Monaten des Jahres 2018 bis zur Vorlage eines Berichts an den Hauptausschuss Medien im vorgesehenen Maße nicht angeschafft werden können und damit der Bestand nicht erneuert oder erweitert werden kann. Die Entsperrung der Mittel ist abhängig von der Entscheidung des Hauptausschusses. Zum Fortbestand der kleinen Schöneberger Standorte vertreten die Fraktionen dem Vernehmen nach unterschiedliche Meinungen, so dass ich nicht sicher bin, ob es tatsächlich zu einer Entsperrung der Mittel kommt, wenn wir unsere fachlich geprägte Auffassung darlegen.

    Im Vergleich zu anderen Bezirken verfügen wir bislang leider nicht über die Möglichkeiten, europäische Fördermittel zur Sanierung oder zum Neubau zu beantragen, weil kein Standort in der sog. Gebietskulisse liegt, d.h. die notwendigen Mittel müssen vom Land oder vom Bezirk allein aufgebracht werden. Ich spüre derzeit einiges Verständnis für unser Anliegen und hoffe, dass es sich konkret in den nächsten Jahren in Standortveränderungen und –verbesserungen niederschlägt und auch in der Entsperrung des Medienetats.

    Ich denke, dass der sehr aktive Freundeskreis einen großen Anteil an diesen Einsichten hat.

  7. Wegen der wachsenden Schülerzahlen ist die Existenz der kleinen Gertrud-Kolmar-Bibliothek an der Sophie-Scholl-ISS gefährdet. Kann da der neue Bücherbus helfen?
  8. Es gibt auch Überlegungen, dieses neue Prunkstück des Bezirks auch an Marktagen am Winterfeldtmarkt einzusetzen, ist das kapazitätsmäßig zu schaffen?

    Die beiden Fragen gehören für mich zusammen: Selbstverständlich. Wir wissen, dass die Bibliothek aus der Sophie-Scholl-Schule über kurz oder lang ausziehen muss. Der Standort selbst ist denkbar ungünstig gelegen, in der näheren Umgebung ist das bibliotheksaffine Publikum rar. Deshalb kann eine bibliothekarische Versorgung nur über besonders strukturierte, neue Angebote angegangen werden. Kurz- oder mittelfristig wäre das die Fahrbibliothek, langfristig kann allerdings überlegt werden, ob ein völlig neues Konzept wie z.B. ein „Maker –space“ in Kooperation mit anderen Fachbereichen, z.B. dem Jugendamt, aufgelegt werden könnte. Dazu bedarf es entsprechender Räumlichkeiten, Mittel, Personal jenseits der Fachrichtung „Bibliothekar/in“ und, natürlich, wirtschaftlicher Perspektiven.

  9. Bibliothekleiter Dr. Rickum hat auf unsere Frage nach einem bezirklichen Bibliotheksplan geantwortet: „Zugleich muss unser Entwicklungsplan in bereits vorhandene Planungen eingebettet werden, zum Beispiel in die bezirklichen und gesamtstädtischen Vorhaben der Stadtentwicklung.“ Werden Sie ihn darin unterstützen und im schwierigen politischen Raum den notwendigen Rückhalt geben können?

    Mittlerweile macht sich in den Stadtbibliotheken der Generationenwechsel bemerkbar. Wir haben viele neue, auch junge Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gewonnen, die ihre Vorstellungen in die Weiterentwicklung der Standorte einbringen wollen und auch sollen. Die Digitalisierung schreitet auch bei den Stadtbibliotheken mit großen Schritten voran. Vor wenigen Wochen fand ein Workshop, organisiert vom VöBB und der ZLB zu zeitgemäßen Zielsetzungen der Bibliotheksarbeit statt. Als Vorsitzende der Verbundkonferenz begrüße und fördere ich diese Aktivitäten außerordentlich. So haben wir Bezirksstadträte doch in der vergangenen Wahlperiode, übrigens gemeinsam mit Herrn Dr. Rickum, ein im Senat dann beschlossenes Strategiekonzept „Bibliotheken für die Metropole Berlin“ entwickelt. Leider ist der dazu entwickelte „Sideletter“, mit den geforderten Standards für Ausstattung und Finanzierung nicht im Senat beschlossen worden, hat aber aufgezeigt, welche personellen und finanziellen Mittel eine funktionierende Bibliothek benötigt. Auch in der Entwicklung der Sozialen Infrastrukturkonzepte (SIKO) spielen Kennzahlen eine sehr wichtige Rolle für die Vergleichbarkeit der Leistungen.

  10. Was erhoffen Sie sich von der künftigen Arbeit unseres Freundeskreises?

    Ich bin sehr erfreut über die Aktivitäten und Unterstützung des Freundeskreises, weil er aus der Mitte der Bürgerinnen und Bürger heraus seine Forderungen formuliert. Das hat noch einmal eine besondere Bedeutung, weil es eben nicht die berufsmäßigen Politikerinnen und Politiker sind, auch nicht die parteigebundenen Bezirksverordneten, sondern die Mitglieder als NGO’s vielleicht von der Öffentlichkeit ernster genommen werden. Mein Wunsch wäre, dass weiterhin die Arbeit der Stadtbibliotheken so positiv begleitet wird und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern daraus die Anerkennung erwächst, die ihnen gebührt.

    Frau Kaddatz, ich bedanke mich für die ausführliche Beantwortung unserer Fragen und wünsche Ihnen im neuen Jahr viel Erfolg bei den vielen Projekten im Bibliotheks- und Kulturbereich!

 

Foto Weil
Foto Weil

10 Fragen an den Leiter der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg, Herrn Dr. Boryano Rickum, gestellt am 2. November 2017 vom Webmaster der Freundeskreis-Webseite, Dr. Gerhard Weil

 

Dr. Boryano Rickum, Leiter der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg, Foto Weil
Dr. Boryano Rickum, Leiter der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg, Foto Weil

1. Herr Dr. Rickum, Sie haben Ihr Amt von Herrn Dr. Boese übernommen zu einem Zeitpunkt, an dem viele neue Aufgaben und Herausforderungen im Bibliothekswesen des Bezirks Tempelhof-Schöneberg auf Sie und alle an Bildung und Kultur Interessierte zukommen. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Eine spannende Frage. Ich meine, unsere Stadtbibliothek erlebt gerade eine Zeit des großen Wandels. Ich sehe im Wesentlichen drei Punkte, welche zu diesem Wandel und damit zu einer konkreten Entwicklungsnotwendigkeit unserer Bibliotheken beitragen:

Da ist erstens der allgemeine Wandel der Zeit: Klar ist zunächst, die digitale Revolution und die übrigen rasanten technischen Fortschritte üben einen enormen Einfluss auf unsere Gesellschaft aus. Eine Auswirkung dessen lässt sich etwa im Wandel unserer traditionellen Kulturtechniken beobachten, d.h. also in den sich verändernden Arten, wie die Menschen heute lesen, schreiben und lernen oder überhaupt Informationen beziehen, kommunizieren und begreifen. Das ist eigentlich keine überraschend neue sozio-kulturelle Erkenntnis mehr. Allerdings verändern sich vor diesem Hintergrund ganz wesentlich die Wissens-, Informations- sowie die Kulturbedürfnisse der Menschen. Das bedeutet für uns konkret, dass wir zum Beispiel unsere Angebote zur Förderung der Lese-, Medien- und Informationskompetenz anpassen müssen. Wir müssen uns zudem von dem Gedanken verabschieden, dass Bibliotheken ein Monopol auf die Zugänge zu Informationen und Wissen besitzen. Längst hat uns das Internet diese Funktion streitig gemacht. Statt nun irgendwie zu versuchen, diese Situation aufzuhalten, sollten wir uns die Frage stellen, welche Angebote und Funktionen wir für die Menschen in unserer Stadt und unserem Bezirk noch bereitstellen und ausfüllen. Diese gilt es dann zu stärken und weiterzuentwickeln. Ich sehe hier aber ein sehr großes Potential.

Ich denke zum Beispiel, bei uns allen müsste politisch gesehen die Erkenntnis gereift sein, dass die freiheitliche Grundordnung unserer Bundesrepublik rund 70 Jahre nach ihrer Entstehung zwar ein starkes Fundament besitzt, aber dennoch einer breiten Zivilgesellschaft bedarf. Wir dürfen nicht vergessen, dass unser demokratisches System kein Selbstläufer ist, kein Automat, der ohne unser aller zutun funktioniert. Die Zivilgesellgesellschaft braucht jedoch öffentliche Räume und Foren. Sie benötigt niedrigschwellige Orte, an denen sich ihre Akteure mit ihren unterschiedlichen Ansichten begegnen und auf Augenhöhe miteinander diskutieren können. Orte, an denen sie sich über aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen informieren und Wissen austauschen können. Eine fundierte und konstruktive Streitkultur – oder anders gesagt: ein Wettbewerb der Meinungen ist für unsere gemeinsame Welt, die wir uns alle außerhalb unserer privaten Reiche miteinander teilen, immens wichtig. Ein solcher Wettbewerb hilft uns unseren politischen Willen zu schärfen. Hier bin ich überzeugt, dass wir mit unseren Bibliotheken einen wesentlichen Beitrag leisten können und müssen: Mit unseren traditionellen Angeboten konnten wir schon seit jeher zur ausgewogenen Einordnung von politischen Nachrichten und Ereignissen sowie zur Entlarvung von Falschinformationen als auch zur Kontextualisierung von aktuellen gesellschaftlichen Debatten beitragen. Wir müssen allerdings noch viel stärker eine kritische Medien- und Informationskompetenz einfordern, fördern und vermitteln. Es geht also darum, dass wir uns als Forum der Stadt- und Bezirksgesellschaft für den politischen Wettbewerb der Meinungen anbieten und Debatten etwa zur Entwicklung des Kaiser-Wilhelm-Platzes in Schöneberg, zur Neuen Mitte in Tempelhof oder zur Zukunft der EU viel intensiver mit entsprechenden Diskussionsangeboten begleiten – natürlich immer mit kuratiertem Wissen aus unseren analogen und digitalen Medienbeständen.

Kurz gesagt: Als Stadtbibliothek müssen wir deutlich auf den gesellschaftlichen Wandel unserer Zeit reagieren und unsere Arbeit, unsere Angebote sowie unsere Struktur und Organisation – und damit also auch unseres bisheriges Selbstverständnis – entsprechend anpassen. Dabei erscheint es zwingend geboten, nicht nur mit den anderen Bibliotheken in Berlin zusammenzuarbeiten, sondern zuvorderst mit den übrigen Fachbereichen des Amtes für Weiterbildung und Kultur, also der VHS, der Musikschule sowie dem Bereich Kunst, Kultur & Museum. In Zukunft werden die inhaltlichen Schnittstellen unserer Fachbereiche immer wichtiger für das Gelingen unserer Aufgaben.

Damit sehe ich als zweiten Punkt notwendiger Weise auch Entwicklungsbedarf bei unseren verschiedenen Häusern:

Wie gerade schon dargestellt, ist es mittlerweile keine wahnsinnig neue Erkenntnis mehr, dass sich gegenwärtig die Bedeutung innerhalb der Kernaufgaben von Öffentlichen Bibliotheken verschiebt: Weltweit lassen sich in den letzten Jahren rückläufige Medienausleihzahlen beobachten. Dieser Trend wird nun auch in Berlin spürbar. Die klassische Distribution von Medien und Informationen ist also nicht mehr das alleinige Maß der Dinge. Ich habe es vorhin schon gesagt, wir merken ein verändertes Informationsverhalten der Menschen, nicht zuletzt verursacht durch das Internet. Aber trotz dieser anhaltenden Revolution der digitalen Informationswelt erlebt die Bibliothek als realer und öffentlicher Ort eine regelrechte Renaissance.

Das stellen wir auch ganz konkret hier im Bezirk fest. Die Leute nutzen heute die Bibliothek ganz anders als noch vor einigen Jahren. Auffällig ist, dass sie nicht mehr nur ausschließlich vorbeischauen, um Medien zu leihen und schnell wieder zu gehen, sondern immer häufiger verweilen unsere Nutzerinnen und Nutzer im Haus. Zum Teil auch, ohne überhaupt irgendetwas auszuleihen: Sie lesen, lernen, surfen im Internet, entwickeln Ideen, bilden sich Meinungen, treffen andere Menschen und tauschen sich aus, lernen sich kennen, arbeiten und spielen bei uns. Vielleicht flirten und verlieben sie sich auch bei uns? Wie auch immer, sie kommen alleine und in Gruppen. Sie suchen unter Vielen die Einsamkeit oder im Gegenteil als Einsame die Begegnung mit den Vielen in einem sicheren öffentlichen Raum. Damit ist klar, dass sich die Häuser dieser veränderten Nutzung anpassen müssen. Im Kern geht es mir also darum, dass wir die Standortbedingungen und Flächengrößen sowie die Infrastruktur der Publikumsbereiche unserer Häuser überprüfen müssen: Genügen diese noch den Bedürfnissen und Anforderungen unserer Nutzerschaft?

Eine sehr konkrete Frage ist, was mit der Gertrud-Kolmar-Bibliothek in Schöneberg Nord geschehen soll, für die wir dringend eine neue Perspektive entwickeln müssen. Auf lange Sicht gilt dies ebenso für die Thomas-Dehler-Bibliothek, die seit vielen Jahren in einer ziemlich beeindruckenden Weise von einem sehr engagierten Team ehrenamtlich geführt wird, allerdings aus einer bibliothekspolitischen, vor allem aber aus einer wirtschaftlichen Sicht eine zunehmende Herausforderung für die Stadtbibliothek als Ganzes darstellt.

Schließlich ist der personelle Generationswandel, den die Stadtbibliothek gerade durchläuft, der dritte Punkt:

Fast die Hälfte unserer bestehenden Personalstellen werden wir aufgrund des altersbedingten Ruhestands verdienter Kolleginnen und Kollegen wiederbesetzen müssen. Dieser Prozess hat bereits in den letzten zwei, drei Jahren begonnen und wird noch etwa dieselbe Zeit anhalten. Das ist in meinen Augen eine spannende Situation, da sie uns die Gelegenheit gibt, die Organisationsstruktur an neue Herausforderungen und Aufgaben der Bibliothek anzupassen und diese damit zukunftsfähig zu gestalten. Gleichzeitig ist es aber auch eine große Herausforderung, da es ebenso darum geht, das Fachwissen und die wertvollen Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen, die kurz vor dem Ruhestand stehen, für die Organisation zu bewahren. Unser kompetentes Personal ist und bleibt die wichtigste und gleichsam wertvollste Ressource für die Arbeit der Stadtbibliothek.

 

2. Sie waren vorher verantwortlich in der Stadtbibliothek Friedrichshain-Kreuzberg beschäftigt. Was sind die größten Unterschiede zu Ihrem neuen Aufgabenfeld?

Zu dieser Frage fallen mir spontan wieder drei Punkte ein: Da wäre zunächst die Tatsache, die Leitung einer Stadtbibliothek nicht mehr länger in einem Tandem mit meiner geschätzten Kollegin Julia Weis zu bestreiten. Genauso wie ich nun hier in Tempelhof-Schöneberg übernimmt sie jetzt drüben in Friedrichshain-Kreuzberg alleinig das Steuer.

Dann finde ich hier andere ökonomische Rahmenbedingungen vor. Die Bibliothek in Fhain-Xberg zählt gemäß der auf einer Kosten und Leistungsrechnung basierenden Budgetierung zu den Gewinnern. Sie ist dort traditionell eine Cashcow, die mit ihrem erwirtschafteten Budget andere Bereiche im Amt mitträgt. Dies stellt sich hier im Bezirk leider spiegelverkehrt dar. Wir haben einiges aufzuholen. Dies ist allerdings eine große Herausforderung, die ich gerne annehme und sportlich betrachte. Wichtigstes Ziel an dieser Stelle für die Zukunft ist die wirtschaftliche Konsolidierung der gesamten Stadtbibliothek. Ein Grund mehr also, die Bibliothek weiterzuentwickeln und neue Angebote zu schaffen.

Schließlich zählt zu den größten Unterschieden wohl die Fahrbibliothek, die es in Friedrichshain-Kreuzberg nicht gibt. Bis zu meinem Antritt hier in Tempelhof-Schöneberg habe ich mir ehrlich gesagt kaum Gedanken über die Möglichkeiten von Fahrbibliotheken gemacht. Aber mir ist dann sehr schnell klar geworden, dass wir als Stadtbibliothek mit einem Bibliotheksbus im Grunde ein äußerst flexibles Mittel besitzen, um auf sich schnell verändernde bzw. kurzfristig entstandene Bedürfnisse im Bezirk reagieren zu können, schneller als mit festen Standorten. Was ich damit meine ist, dass wir uns im Prinzip wesentlich flexibler an neue Anforderungen und Bedürfnisse der bibliothekarischen und flächendeckenden Versorgung des Bezirks anpassen können, indem wir unser Haltestellennetz entsprechend umstellen oder erweitern. Das lässt sich mit unseren festen Häusern nicht so einfach machen.

 

3. Das Bezirksamt hat jüngst den Ankauf eines neuen Bücherbusses mittels Ausschreibung beschlossen. Was kommt jetzt an Arbeit auf Sie und Ihre KollegInnen zu?

Die Entscheidung für einen neuen Bücherbus hat uns sehr gefreut. Der Freundeskreis hat ja auch mit seiner Kampagne wesentlich dazu beigetragen. Mit dem neuen Bus haben wir jetzt die Chance, den Service und die Angebote der Fahrbibliothek noch weiter zu verbessern. Dazu stecken die Kolleginnen und Kollegen dort auch schon eine Weile die Köpfe zusammen, um neue Konzepte zu entwickeln, insbesondere mit Blick auf das bisherige Haltestellennetz: Mit dem neuen Bus werden wir ja wieder die Möglichkeit haben, jeden Winkel des Bezirks anzufahren. Uns sind dann im Grunde nur noch durch die physischen Maße des Busses Grenzen gesetzt.

Zudem können wir aber auch durch die moderne Technik im Bus neue Angebote entwickeln. So wird der Bus mittels WLAN einen kostenfreien Zugang ins Internet anbieten können. Auch hat die Busbesatzung durch die Anschaffung eines Tabletkoffers, der mit insgesamt 10 Geräten bestückt ist, neue Möglichkeiten für ihre bibliothekspädagogischen Veranstaltungen. Wir haben hier in der Tat also einiges zu tun.

4. Die Bezirkszentralbibliothek bekommt neue Regale und einen neuen Teppichboden, wie geht es mit dem Standort weiter?

Wir wollen, dass sich unsere Nutzerinnen und Nutzer so wohl wie möglich bei uns fühlen. Daher war der Austausch der alten Teppiche im Publikumsbereich dringend geboten. Und mit den neuen Regalen werden wir in der BZB zugleich auch ein neues Leitsystem einrichten, damit sich unsere Nutzerschaft besser orientieren kann und schneller zurechtfindet.

Diese Maßnahmen waren wichtig, selbst vor dem Hintergrund eines anvisierten Neubaus für die Bibliothek im Zuge des Stadtentwicklungsprojektes ‚Neue Mitte Tempelhof‘, auf dessen Entscheidung zur Durchführung wir übrigens sehr hoffen. Denn wir müssen davon ausgehen, dass bis zu Fertigstellung eines Neubaus noch einige Jahre vergehen werden. Solange bleiben wir ja noch in diesem Haus, das also auch bis dahin bestehen bleibt. Insofern müssen wir auch weiterhin dafür Sorge tragen, dass das Haus funktioniert und eine möglichst hohe Aufenthaltsqualität aufweist. Das bedeutet aber in der Tat, dass wir sehr genau schauen müssen, welche baulichen Maßnahmen in diesem eigentlich sehr sanierungsbedürftigen Gebäude noch umgesetzt werden sollten, welche noch möglich sind und auch Sinn machen.

5. Der Freundeskreis setzt wie Sie alle Hoffnungen auf das Stadtentwicklungs-projekt ‚Neue Mitte Tempelhof‘. Was ist darunter zu verstehen und wie sind die Realisierungschancen?

Dieses Stadtentwicklungsprojekt ‚Neue Mitte Tempelhof‘ verfolgt im Kern das Ziel der Schaffung von rund 500 Wohneinheiten und damit einhergehend infrastrukturelle Entwicklungsmaßnahmen gerade in dem Gebiet, in dem sich grob gesprochen unser Maria-Buch-Haus, das Schwimmbad, als auch die Polizeistation befindet. Es folgt damit der Strategie der städtischen Verdichtung. Aber zu diesem Zweck ist eine Standortverlagerung der Bibliothek unumgänglich. Geplant ist dafür ein Neubau, gleich neben dem Rathaus am Tempelhofer Damm. Für uns bietet dieses Projekt damit enorme Entwicklungschancen. Ausgehend von den Herausforderungen und der sich wandelnden Bibliotheksnutzung, die ich Ihnen vorhin bei der Eingangsfrage geschildert habe, erscheint ein Neubau überaus sinnvoll. Wir planen dort mit einer Fläche, die rund doppelt so groß ist, wie die Jetzige. Dadurch können wir nicht nur unsere Medien viel besser präsentieren. Wir sind dann vielmehr in der Lage, Flächen für die unterschiedlichsten Situationen anzubieten: Gruppen- und Einzelplätze mit entsprechender technischer Infrastruktur zum lesen, lernen, arbeiten, Ideen entwickeln und Wissen teilen; pädagogische und kulturelle Veranstaltungen; laute Zonen; stille Zonen; Spielzonen; Ruhezonen; Experimentierzonen; Begegnungszonen; Debattierzonen; usw.

Die Ideen zum Neubau gehen aber noch weiter. Und zwar weit über den Fachbereich Bibliotheken hinaus: Angedacht ist nicht nur eine neue und größere Bezirkszentralbibliothek, sondern vielmehr ein großer Kulturbaustein, der auch die übrigen Fachbereiche unseres gesamten Amtes für Weiterbildung und Kultur miteinbezieht: die VHS, die bezirklichen Galerien und Museen sowie die Musikschule. Unser Anspruch hier, nicht ein Gebäude für vier strikt voneinander getrennte Bereiche zu bauen. Es geht vielmehr darum, ein Raum- sowie ein Angebotskonzept zu finden, welches von den fachlichen und inhaltlichen Schnittstellen aller Bereiche ausgeht und diese gemeinsam denkt: Warum nicht die Sprachlernbestände der Bibliothek dort planen, wo die VHS Seminarräume für ihre Sprachkurse vorsieht? Oder einen Proberaum der Musikschule, der sich innerhalb des Bibliotheksbereiches in der Nähe der Noten- und Musikbestände befindet, bestückt mit Instrumenten zum direkten Ausprobieren? Warum nicht eine Artothek etablieren, mit Kunstwerken aus der bezirklichen Kunstsammlung, die sich zugleich über die Bibliothek ausleihen lassen? Oder was halten Sie von der Schaffung eines Zentrums für Tempelhof-Schöneberg-Studien, gemeinsam organisiert vom Bezirksarchiv und der Bibliothek, wo die Menschen die Geschichte und Kultur des Bezirks erforschen und zugleich mit ihren eigenen Biografien, Lebensgeschichten und Werken anreichern können, begleitet und unterstützt durch entsprechende Veranstaltungen von VHS und Musikschule?

Natürlich hängt es gegenwärtig noch von der politischen Entscheidung auf Landesebene für das Projekt Neue Mitte Tempelhof ab, ob wir derartige und weitere Ideen auch umsetzen können. Ich hoffe, dass wir die politische Sphäre ebenso von diesen Ideen begeistern und überzeugen können.

 

6. Für die Mittelpunktbibliothek in der Schöneberger Hauptstraße sollen die maroden, stinkenden Toiletten saniert werden und ein Besucherfahrstuhl in den 1. Stock u.a. zum Erreichen der Kinder- und Jugendabteilung eingebaut werden, ist das Projekt gesichert und reicht das schon aus?

Ja, das Projekt ist gesichert und auch hier freuen wir uns auf die Umsetzung eines ganzen Pakets von Maßnahmen, zu dem übrigens mehr gehört, als ‚nur‘ die Toilettensanierung und der Aufzugseinbau. Aber diese beiden Maßnahmen gehören aus unserer Sicht sicherlich zu den dringlichsten Vorhaben, welche die Theodor-Heuss-Bibliothek betreffen. Für unsere Nutzer bestimmt noch interessant sind geplante Maßnahmen wie die Neugestaltung des Vorplatzes der Bibliothek mit Sitzmöglichkeiten und weiteren Grünflächen sowie weitere großformatige und beleuchtete Hinweise auf unsere Bibliothek und das Museum an beiden Seiten des Lassenparks (Hauptstr. und Belziger Str.). Gerade finden ja auch Veränderungen im Lassenpark selbst statt, die bereits zu einer besseren Zugangssituation sowie zu einer erhöhten Sichtbarkeit der Bibliothek führen werden, etwa durch die Veränderung des Verlaufs sowie Neubefestigung der Wege.

Auf lange Sicht reichen diese Maßnahmen allerdings nicht aus. Denn auch an diesem Standort ist klar, dass wir eine Flächenerweiterung benötigen. Nach dem Scheitern der Idee einer Standortverlagerung in das ehemalige Hertie-Gebäude hat sich der Bedarf sogar noch erhöht. Letztlich geht es auch hier um die veränderte Nutzung der Bibliothek. Vor diesem Hintergrund lohnt sich auch mal der Gedanke, ob es nicht sinnvoll ist, baulich mit dem Jugendmuseum nebenan zu verwachsen, um so Flächen zu erhalten, die wir gemeinsam nutzen können, etwa für Veranstaltungen oder ein gemeinsames Café. In diesem Zusammenhang haben Irene von Götz (die neue Leiterin des Bereiches Kunst, Kultur und Museen) und ich aus den Unterlagen unserer VorgängerInnen sowie aus Gesprächen mit unseren KollegInnen von der bereits schon etwas älteren Idee der Schaffung eines Kulturortes hier am Lassenpark erfahren, die wir sehr spannend finden und gerne weiter verfolgen möchten.

7. Im Koalitionsvertrag wird die Erstellung einer gesamtberliner Bibliotheksplanung gefordert, muss es das nicht auch für unserem Bezirk geben, an den Bedürfnissen einer wachsenden und sich verändernden Bevölkerung orientiert?

Das muss und wird es ganz sicher. Für die Schaffung neuer Angebote und Services, die organisatorische und personelle Entwicklung und nicht zuletzt für die wirtschaftliche Konsolidierung unserer Stadtbibliothek brauchen wir klare Ziele und Strategien. Dabei ist es sicherlich geboten, die Pläne an den Bedürfnissen der Menschen im Bezirk zu orientieren. Diese Maßgabe zu erfüllen erweist sich allerdings als sehr komplexe Aufgabe: Konkret müssen wir die Bedürfnisse unsere Nutzerschaft, wenn möglich aber auch der Nichtnutzerschaft, unserer Partner bei unseren Überlegungen berücksichtigen. Zugleich muss unser Entwicklungsplan in bereits vorhandene Planungen eingebettet werden, zum Beispiel in die bezirklichen und gesamtstädtischen Vorhaben der Stadtentwicklung. Unser Plan muss zudem die bibliotheksstrategischen Überlegungen auf Landes- und Bundesebene berücksichtigen.

 

8. Was muss getan werden, um die Bezirkspolitik stärker auf die Erfordernisse einer modernen Bibliothek aufmerksam zu machen?

Zunächst ist es im Grunde so, dass wir die Bezirkspolitik gar nicht auf uns aufmerksam machen müssen. Wir stehen schon häufig im Mittelpunkt der politischen Aufmerksamkeit: Es gibt für unsere Belange einen eigenen Fachausschuss und während der letzten Generaldebatte zum kommenden Haushalt für die Jahre 18 und 19 in der BVV ist die Bibliothek auffällig oft und intensiv Gegenstand der politischen Auseinandersetzung gewesen.

Für mich lautet also die wesentliche Frage, wie wir diese aktuell hohe Aufmerksamkeit der Bezirkspolitik im besten Sinne für unsere Weiterentwicklung nutzen können, wie ich sie hier geschildert habe. Eine wesentlich wichtige Erkenntnis aus den politischen Debatten über die Bibliothek hier im Bezirk ist für mich, dass wir uns, unsere Überlegungen und unsere Arbeit viel stärker den Abgeordneten und anderen zentralen Akteuren des Bezirkes vor Ort in unseren Häusern präsentieren müssen. Regelmäßige Berichterstattungen anhand von Zahlen und Fakten zu den Bibliotheken im Fachausschuss reicht meines Erachtens nicht aus. Ich denke, es ist eminent wichtig, dass die Bezirkspolitik die Stadtbibliothek erlebt. Ich möchte sie daher künftig gerne regelmäßig und offensiv dazu einladen, in unseren verschiedenen Standorten den Regelbetrieb zu erleben, aktiv an unseren Veranstaltungen teilzunehmen und überhaupt unsere Entwicklung hautnah zu beobachten, die wir jeden Tag Schritt für Schritt vollziehen. Ich glaube, es gibt keinen besseren Weg, um zu zeigen, dass die Bibliothek so viel mehr für den Bezirk leistet und leisten kann, als Bücher zu verleihen. Bibliotheken haben weitaus mehr Funktionen für unsere Bezirksgesellschaft, als lediglich die Distribution von Wissen und Information.

 

9. Wie kann der „Freundeskreis der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg“ dabei helfen, nachdem die Kampagne zur Anschaffung eines neuen Bücherbusses absehbar erfolgreich war? Sie haben den Freundeskreis bei Ihrem Amtsantritt ja schon vorgefunden.

Ja, richtig und über diesen bin ich auch nach wie vor sehr froh! Gerade mit Blick auf die vorherige Frage denke ich zunächst, es wäre grundsätzlich gut, wenn der Freundeskreis uns dabei unterstützt, die Bezirkspolitik regelmäßig in unsere Häuser zu locken.

Ich glaube aber auch, dass der Freundeskreis wesentlich wichtig wäre, um auf kommunaler und vielleicht auch auf Landesebene für den Bau des Kulturbausteins im Zuge des Projektes ‚Neue Mitte Tempelhof‘ zu werben.

 

10. Welches sind Ihre persönlichen, beruflichen Ziele der nächsten drei Jahre?

Persönlich hoffe ich, dass mir weiterhin die Quadratur des Kreises halbwegs gelingt und ich meine Familie, meine Freunde und meinen Job in einem ausgewogenen Verhältnis unter einen Hut kriege. Work-life-balance und so, wenn Sie wissen was ich meine.

Beruflich wünsche ich mir vor allem, dass es mir in den nächsten drei Jahren gelingt, die selbstgesteckten strategischen Entwicklungsziele für die Stadtbibliothek zu erreichen und dass dabei meinen Kolleginnen und Kollegen sowie mir selbst nicht die die Freude und der Spaß an unserer Arbeit verloren geht.

 

Herr Dr. Rickum, danke für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen! Ich wünsche Ihnen persönlich und als Leiter beruflich viel Erfolg bei Ihrer anspruchsvollen Aufgabe!

 

Foto: Weil
Foto: Weil

10 Fragen an den Leiter der Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg,

Herrn Burkhard Kajewicz, gestellt am 15. 3. 2017
vom Webmaster der Freundeskreis-Webseite, Dr. Gerhard Weil

Burkhard Kajewicz, Leiter der Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg   Foto: Weil
Burkhard Kajewicz, Leiter der Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg Foto: Weil

  1. Herr Kajewicz, Sie sind seit einigen Jahren Leiter der Fahrbibliothek. Der Bücherbus ist in diesem Jahr das Schwerpunktthema des Freundeskreises. Bekommt der Bücherbus denn bald eine H-Nummer ins Nummernschild?

    Ich bin seit Ende 2014 Leiter der Fahrbibliothek.

    Der jetzige Bus ist vor 25 Jahren zugelassen worden. Zugleich feiern wir in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum der Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg. Ob ein H-Nummernschild dann mit 30 Betriebsjahren erreicht werden könnte, ist mehr als fraglich, da bei zu erwartenden Reparaturen die Ersatzteilbeschaffung immer schwieriger werden wird.

  2. Wer versorgt denn die Tempelhofer und Schöneberger Schulen, die sich innerhalb des S-Bahnringes befinden, warum müssen Sie draußen bleiben?

    Durch die geltende Abgasnorm darf der Bus nicht die Umweltzone befahren. So mussten wir leider Schulhaltestellen in Schöneberg und Tempelhof aufgeben. Z. T. werden diese jetzt durch Standortbibliotheken betreut, auch aus anderen Bezirken, wie Friedrichshain-Kreuzberg, da die betroffenen Schulen in deren Einzugsbereich liegen.


  3. Wie viele Haltestellen fahren Sie pro Woche an, sind Grundschulen dabei, die weit von den Stadtteilbibliotheken entfernt sind? 

    Wir fahren im wöchentlichen Rhythmus 12 Haltestellen an, davon sind sechs Grundschulen in Tempelhof, wie die GS im Taunusviertel in unmittelbarer Nähe zur Stadtgrenze nach Brandenburg oder die Ikarus-GS, die Carl-Sonnenschein-GS in Mariendorf, die GS am Dielingsgrund, die keine fußläufigen Standortbibliotheken in der Nähe haben.

    In den Nachmittags- und Abendstunden fahren wir die Ortsteile Mariendorf, Lichtenrade und Friedenau an. In Friedenau stehen wir 2 x in der Woche gegenüber dem Rathaus Friedenau und bieten dort einen Service alternativ für die geschlossene Gerhart-Hauptmann-Bibliothek.

    Nicht zu vergessen sind aber auch mehrere Kitas in Mariendorf, Lichtenrade und Friedenau, die uns z.T. im Bus besuchen aber auch regelmäßig mit Bücherkisten beliefert werden.

Der Bücherbus vor der Bruno-H.-Bürgel-Grundschule in Berlin-Lichtenrade   Foto: Weil
Der Bücherbus vor der Bruno-H.-Bürgel-Grundschule in Berlin-Lichtenrade Foto: Weil

4. Wenn Sie schon wöchentlich vor den Grundschulen stehen, gehen sie auch mal hinein?

Ja, na klar. Neben unserem vielfältigen Medienangebot im Bus bieten wir auch Bibliothekseinführungen und Bibliotheksunterricht in Form von Projekten, in letzter Zeit auch für Willkommensklassen, in den Schulräumen an und können da auch digitale Services mit Tablet, I-Pad und Apps einsetzen.

 

Besonderen Spaß machen - und gerne angenommen werden die Bilderbuchkino-Vorführungen in den Kitas und Klassen sowie die Lesungen mit Berliner Kinderbuchautoren in den Schulen.

 

5. Bibliothekare lieben die Statistik, was können sie uns in dieser Hinsicht von der Fahrbibliothek berichten?

Im letzten Jahr (2016) besuchten uns 41.784 Nutzer, die 103.541 Medien entliehen haben.

 

Wir führten 241 Gruppenführungen mit 3.107 Teilnehmern durch und konnten 27 Veranstaltungen mit 1.350 Teilnehmern bieten. 251 Medienpakete lieferten wir an Schulen und Kitas aus.

Statistik  2016   

 

 

2016

2015

+ 2016

Öffnungsstunden

1146,3

1024,2

+ 11,09 %

Besuche

41784

32621

+ 28,09 %

Entleihungen

103541

95109

 +   8,87 %

Gruppenführungen

241

108

+ 123,15%

Teilnehmer

3107

1477

+ 110,36%

Veranstaltungen

27

12

 + 125    %

Teilnehmer

1350

801

+ 68,54 %

Medienpakete

251

232

+     8,19 %

 

 

6. Sie sollen neulich voller Neid im neuen Bücherbus von Steglitz-Zehlendorf gesessen haben. Was war da besser, was kostet denn der Spaß für den Bezirk?

Allerdings ! Nicht nur Steglitz-Zehlendorf konnte im Januar einen neuen Bücherbus in Betrieb nehmen, auch der Bezirk Spandau weiht am 17. März sein neues Fahrzeug feierlich ein. In Treptow-Köpenick ist der neue Bus im Bau und auch Pankow und Lichtenberg planen eine Anschaffung. Die neuen Fahrzeuge sind auf dem aktuellen technischen Stand, mit der Euro-6-Norm kann die Umweltzone befahren werden, eine Klimatisierung, behindertengerechter Zugang, Toilette, LED-Beleuchtung, Automatikgetriebe etc. bieten den Nutzern Komfort und den Beschäftigten einen zeitgemäßen Arbeitsplatz.

 

Kinder stöbern im Medienangebot der Fahrbibliothek         Foto: Weil
Kinder stöbern im Medienangebot der Fahrbibliothek Foto: Weil

7. Angeblich hat unser Bezirk die Chance vor ein paar Jahren vertan, ebenfalls einen neuen Bus zu bekommen, bevor unser auseinanderfällt. Eine Hälfte der Kosten sollten sogar fremdfinanziert werden?

Vor ein paar Jahren hätte der Bezirk EU-Mittel in Höhe von 200 Tsd € zur Anschaffung eines neuen Bücherbusses erhalten können. Der Bezirk konnte leider die gleiche Summe zur Kofinanzierung nicht aufbringen. Das wäre eine für den Bezirk sehr günstige Gelegenheit gewesen.

8.
Was machen Sie mit dem Bücherbus in den Ferien?

Die Schulferien nutzen wir zu einer Grundreinigung und um das Fahrzeug turnusmäßig in der Werkstatt warten zu lassen, fahren aber auch, wenn möglich, die Nachmittags-/Abendhaltestellen an. Die restliche Zeit wartet der Bus auf seinen nächsten Einsatz in der Garage.

 

9. Mit wie vielen Kolleg_Innen wird das Fahrbibliotheksangebot betrieben, gibt es verschiedene Aufgaben und Anforderungen?

Das Team der Fahrbibliothek Tempelhof-Schöneberg besteht aus zwei Bibliothekar_Innen, einer FaMI ( Fachangestellte für Medien- und Informationsvermittlung) zugleich Fahrerin sowie zwei Bibliotheksangestellten die auch zugleich Fahrer sind. Durch die Aufteilung in Vormittags- und Abendhaltestellen fahren wir täglich in zwei Teams.

 

Die Fahrer sorgen für die Vorbereitung der Ausleihe, stellen die technischen Voraussetzungen in und am Bus sicher, überprüfen die Fahrtauglichkeit, bringen den Bus zu unseren Nutzern, sind aber auch wichtige Stützen bei der Medienverbuchung im Bus.

 

Die Bibliothekare beraten, verbuchen Medien, führen Projekte der Leseförderung und Informationsvermittlung sowie Veranstaltungen durch, geben Bibliotheksunterricht, sind für den Bestandsaufbau und dessen Vermittlung verantwortlich.

 

10. Was waren Ihre merkwürdigsten, lustigsten Erlebnisse mit und in dem Bücherbus?

Wenn man in der Schule oder auf der Straße mit:  „ Hallo, Bücherbus-Mann … „  erkannt und begrüßt wird oder zu Ostern und Weihnachten mit selbst gemalten“ Kita-Kunstwerken“ beschenkt wird, sind das schon nette Erlebnisse und spiegeln die Anerkennung und Freude der kleinen und großen Nutzer wieder.

 

Auch wird schon mal ein Kind auf dem Beifahrersitz gestillt oder ein zugeflogener Vogel aus dem Bus befreit …

 

Sie sehen, im Bücherbus wird es nie langweilig!

 

Dagegen wird leider unser Bücherbusalltag durch oft zugeparkte Haltestellen getrübt, sodass das Ordnungsamt in Aktion treten muss …

Herr Kajewicz, wir vom Freundeskreis wünschen Ihnen und Ihren Mitarbeiter_Innen alles erdenklich Gute und vor allem einen nagelneuen Bücherbus mit bester Ausstattung möglichst bald, ich danke Ihnen!

 

Foto: Weil
Foto: Weil

10 Fragen an den Leiter der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg,

Herrn Dr. Engelbrecht Boese, gestellt am 17. 11. 2016
vom Webmaster der Freundeskreis-Webseite, Dr. Gerhard Weil

 

Foto: Weil
Foto: Weil

 

1.   Herr Dr. Boese, Sie scheiden zum Jahresende aus Ihrem Amt aus. Wie viele Jahre haben Sie die Stadtbibliothek Tempelhof und dann die Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg geleitet? Die Zahl der Bibliotheksstandorte hat sich doch in diesen Jahren deutlich verringert?

 

Ja, das stimmt. Aber zunächst ein Blick zurück. Ich bin 1990 als Leiter nach Tempelhof gekommen, damals waren Tempelhof und Schöneberg ja noch getrennt. Vorher war ich nach meinem Bibliothekarsdiplom in Stuttgart und dem anschließenden Geschichtsstudium in Mainz vier Jahre lang Leiter einer großen Filiale der Frankfurter Stadtbücherei. 1990 das war eine sehr interessante Zeit, weil es damals auch darum ging, die sehr unterschiedlichen Bibliothekssysteme in den beiden Stadthälften zu vereinen, auf einen Nenner zu bringen. Das war nicht so ganz einfach, wie schwierig es war, sehen Sie heute noch daran, dass die größte Öffentliche Bibliothek in Berlin, und größte Öffentliche Bibliothek in Deutschland, die Zentral- und Landesbibliothek, nach wie vor mit zwei Häusern vorlieb nehmen muss. Für eine Stadt wie Berlin, für eine Weltmetropole eigentlich ein unhaltbarer Zustand, der anscheinend jetzt leider noch verlängert wird.

 

Aber um Ihre Frage zu beantworten. Es gab in Tempelhof und Schöneberg, jeweils 10 Bibliotheken, wobei allerdings die Kinder- und Jugendbibliotheken in den Haupthäusern noch als eigene Bibliotheken zählten, das ist heute nicht mehr so. Zum Bestand gehörten damals noch zwei Bibliotheken in den berufsfeldbezogenen Oberstufenzentren, die später der Senator für Bildung an sich gezogen hat, und damals gab es auch noch die so genannten „Mediotheken“ in den Bildungszentren, die später wegen Asbest geschlossen wurden. Aber zum Bestand gehörten auch noch mehr ganz „normale“ Stadtteilbibliotheken. Der 1995 einsetzenden Sparwelle fielen in Tempelhof beide Bibliotheken in Mariendorf, wo es heute keine standortfeste Bibliothek mehr gibt, und eine Bibliothek in Lichtenrade zum Opfer, in Schöneberg die Bibliothek im Lindenhof, und die Friedenauer Bibliothek im Rathaus wurde damals auf eine eigentlich nicht tragbare Restgröße zusammengeschrumpft.

 

Heute hat die Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg noch ganze sieben Bibliotheken: die Bezirkszentralbibliothek in der Götzstr., die Mittelpunktbibliothek Schöneberg in der Hauptstr., in der wir uns hier gerade befinden, das war damals die Hauptbibliothek in Schöneberg, dann drei Stadtteilbibliotheken in Lichtenrade, Marienfelde und Schöneberg-Nord, eine ehrenamtlich betriebene Nebenstelle die Thomas-Dehler-Bibliothek und last not least die wichtige Fahrbibliothek, die 11 Haltepunkte des Bücherbusses vorwiegend in Tempelhof hat.

 

2.   Was war in dieser Zeit Ihr größter beruflicher Erfolg, was Ihre größte Niederlage?

 

Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Ich würde es auch nicht an einem bestimmten Punkt festmachen, sondern ich würde einen ganzen Zeitraum als Niederlage beschreiben, wobei das eigentlich eine Niederlage der Bürgerinnen und Bürger dieses Bezirks ist, denn es geht hier weniger um mich. In den letzten 10 Jahren, etwa seit Mitte des letzten Jahrzehnts, sind ihnen die entscheidenden Maßnahmen zum Erhalt und zur Weiterentwicklung ihrer Bibliotheken verwehrt worden. Tempelhof-Schöneberg war nach der Bezirksfusion eines der leistungsfähigsten Bibliothekssysteme in Berlin. Danach gab es einen Bruch. So ab Mitte des ersten Jahrzehnts haben die Bezirke um uns herum, mit Ausnahme vielleicht von Charlottenburg-Wilmersdorf, ihre Standorte ausgebaut, saniert, erweitert, renoviert oder sogar neue Standorte gebaut. Tempelhof-Schöneberg hat, man muss das leider so deutlich sagen, in diesem Jahrzehnt den Anschluss verpasst. Heute sind unsere zwei größten Bibliotheken in einem verlotterten baulichen Zustand. Wir haben einen klapprigen alten Bücherbus von 1992, und von den kleineren Bibliotheken genügen zwei nicht einmal mehr den Berliner Mindeststandards an eine professionelle Bibliotheksarbeit. Und dass die Chance ausgeschlagen wurde, für den Spottpreis von 8 € pro Quadratmeter ins ehemalige Hertie-Gebäude zu ziehen, dafür fehlen mir und eigentlich allen Fachleuten in Berlin auch heute noch die Worte. Wo sonst hätte Integration gelingen können, wenn nicht an diesem zentralen Ort in Schöneberg, an einem Kreuzungspunkt sozial und kulturell so unterschiedlicher Einzugsgebiete?
Aber kommen wir zu den Erfolgen: Es war immer die Stärke der Stadtbibliothek, nicht über die Vergangenheit zu jammern, sondern nach vorne in die Zukunft zu schauen. Das ist, wenn ich zurückblicke, das eigentlich Positive in diesen vielen Jahren, dass es dem Bibliotheksteam immer wieder gelungen ist, Nackenschläge, die es seit Mitte der 90er Jahre, als die erste große Sparwelle begann, reichlich gab, wegzustecken und den Blick trotz allem nach vorn zu richten, krisenhafte Entwicklungen nicht zu ignorieren, das ist ja kaum möglich, aber doch als Chance zu sehen, um sich neu zu positionieren und neu aufzustellen. Das ist nicht mein Erfolg, sondern der Erfolg aller Mitarbeiterinnen, die Herausforderungen wie die Einführung des VÖBB, der die Bibliotheksarbeit komplett umgekrempelt hat, die Bezirksfusion, wo es darum ging, zwei sehr unterschiedlich geprägte Bibliothekssysteme zusammenzuführen, die Einführung der Selbstverbuchung, immer positiv angenommen und bewältigt zu haben, die sich Ziele gesetzt und zeitgemäße Schwerpunkte für ihre Arbeit entwickelt haben, und ich bin sehr zuversichtlich, dass es den Mitarbeiterinnen mit diesem konstruktiven, nach vorn gerichteten Geist auch gelingen wird, die baulichen und konzeptionellen Herausforderungen positiv zu gestalten, die auf sie zukommen werden, wenn die Politik jetzt endlich die seit Jahren überfälligen Bau- und Sanierungsprogramme in den großen Häusern in Gang setzt und wenn die Bürgermeisterin jetzt ihr Versprechen wahr macht, wenn sie denn schon Hertie nicht wollte, wenigstens Sanierung und Ausbau der Mittelpunktbibliothek Schöneberg zu finanzieren.

 

3.    Die baulichen Bedingungen an den Bibliotheksstandorten Schönebergs wurden schon erwähnt, aber es gibt auch Probleme in Tempelhof, in der Zentralbibliothek? Da ist das Dach undicht.
Wenn Sie die Probleme unserer Häuser wirklich wahrnehmen wollen, empfehle ich Ihnen den olfaktorischen Weg: Immer der Nase nach! Der marode Zustand in unseren beiden großen Häusern stinkt ja buchstäblich zum Himmel. Eigentlich müssten wir unseren Kunden, die die Toiletten benutzen wollen – soll ja mal vorkommen -, sagen: Schlagt Euch lieber in die Büsche! Die Sanitäranlagen in den beiden großen Häusern sind in einem so katastrophalen Zustand, dass sich unsere Mitarbeiterinnen schämen, wenn sie darauf angesprochen werden. Und das Dach, das Sie gerade angesprochen haben: In der Bezirkszentralbibliothek ist seit 2007 die Dachisolierung kaputt, im Sommer steigen die Temperaturen regelmäßig auf über 30 Grad und unsere Mitarbeiterinnen machen da keine Siesta, die arbeiten da! Und wenn es regnet, wird die Bibliothek zum Regenwasserreservoir, da sehen Sie dann überall in der Bibliothek verteilt Eimer, um das kostbare Regenwasser, das da durch die Decke tropft, aufzufangen, damit wir unsere Bücher und PCs wässern können. Das ist eine nicht mehr tragbare Situation. In der Mittelpunktbibliothek Schöneberg haben gehbehinderte Menschen, Rollstuhlfahrer, Mütter/Väter mit Kinderwagen keine Chance, die Kinderabteilung im Obergeschoß zu benutzen. Wozu sollte man denn auch einen öffentlichen Bereich mit viel Publikumsverkehr durch einen Fahrstuhl erschließen?

 

Ich könnte Ihnen noch viel mehr nennen, angefangen von den nicht mehr reparablen Fenstern in der Bezirkszentralbibliothek, und das ist ja die größte Bibliothek in unserem Bezirk, für die die notwendigen Maßnahmen schon seit rd. 10 Jahren mit mehr als 4 Mio. Euro in der Investitionsplanung fest verankert sind. Das Geld ist also vorhanden, aber verbaut wird es nicht.

 

Aber ich will hier noch ein ganz anderes Problem anschneiden. Es geht nicht nur um Sanierung. Unsere großen Häuser wurden zu einer Zeit gebaut, als Bibliotheken vorwiegend noch als Ausleihstationen konzipiert wurden. Heute sind sie viel mehr als das. Heute sind sie Lernorte, Arbeits- und Studienorte, Begegnungsorte, Veranstaltungsorte, und für all die unterschiedlichen Nutzungen, die eine Öffentliche Bibliothek heute ausmachen, für die Menschen, die aktuelle Zeitungen und Zeitschriften lesen oder einfach mal was anlesen wollen, für Schüler- und andere freie Gruppen, die sich zum gemeinsamen Arbeiten zusammenfinden, für Kunden, die unsere Internet- oder PC-Angebote nutzen wollen, z.B., um Bewerbungen zu schreiben, für die Kinder, die Veranstaltungen zur Leseförderung besuchen, für literarische Lesungen. Für all diese Nutzungen braucht es Platz.

 

Manches davon geht laut vor sich, manches leise, manche Kunden brauchen voll computerisierte Einzelarbeitsplätze, manche vielleicht eher eine ruhige Rückzugsmöglichkeit und einen Sessel, für andere wären Gruppenräume mit digitalem Equipment wichtig und, für Veranstaltungen braucht man Räume mit Beamer und Leinwand. Das alles braucht Platz und diesen Platz für unterschiedliche Nutzungen, für lautere und leisere Zonen, haben wir nur in sehr ungenügender Weise. Um das mal an Zahlen festzumachen: Wir hatten 2015 zwar noch 19% mehr Einrichtungen als die Berliner Bezirke im Schnitt, stellen pro Einwohner aber 16% weniger Fläche zur Verfügung. Die Bezirkszentralbibliothek, unser größtes Haus, hat fast ein Fünftel weniger Fläche als die Zentralbibliotheken in den anderen Bezirken.

 

Also: Worum es in Zukunft gehen muss, lässt sich in zwei Worten zusammenzufassen: Sanierung und Flächenerweiterung!

 

4.   Auch der Bücherbus wurde schon von Ihnen erwähnt, wie lange hält der denn noch durch, bekommt er bald eine H-Nummer oder wie sieht es aus mit einen Nachfolger?

 

Unser Bücherbus ist seit Jahren eine Einrichtung, die sehr viel Erfolg hat, die sehr stark genutzt wird und gute Zahlen liefert. Dieser Erfolg steht in einem makaberem Missverhältnis zum Erhaltungszustand. Gerade für Kinder ist der Bus hoch attraktiv, schauen Sie sich einfach mal an, wie die Kinder in den Schulpausen mit leuchtenden Augen in den Bus strömen, das ist ein großer Event. Da wird Leseförderung betrieben und für viele Kinder ist das oft der erste Kontakt zu Bibliotheken und zu Büchern. Wer die Lesekultur fördern will, hätte mit dem Bücherbus ein hervorragendes Instrument, um damit anzufangen. Die Firma Berlin Recycling, die unseren Bus jährlich mit einem richtig großen Batzen Geld fördert, hat das begriffen, und andere Bezirke wissen das auch. Spandau und Steglitz-Zehlendorf z.B., die gerade neue Busse anschaffen. Sogar Lichtenberg, ein Innenstadtbezirk, überlegt, einen Bücherbus anzuschaffen!

Unser Bus wurde 1992 in Betrieb genommen, er hat jetzt also fast ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel, und es ist abzusehen, dass er nicht mehr ewig fahren wird, dass er irgendwann in nicht allzu langer Zeit den Geist aufgeben wird. Ich kann nicht prophezeien, wann das sein wird. Vielleicht sind es noch drei Jahre, vielleicht auch nur ein paar Monate. Was mich richtig ärgert ist, dass der Bezirk in den letzten Jahren mehrfach die Chance ausgeschlagen hat, einen neuen Bus mit Hilfe einer 50-prozentigen Kofinanzierung durch die EU zu bekommen. Diese Chance gibt es jetzt nicht mehr, das ist vorbei. Wir stehen deshalb möglicherweise vor der fast schildbürgerlich zu nennenden Situation, dass es ausgerechnet in einem der flächenstarken Bezirke Berlins, der nur noch über ein sehr ausgedünntes Netz von standortfesten Bibliotheken verfügt und z.B. den ganzen Ortsteil Mariendorf unversorgt lässt, bald auch keinen Bus mehr geben wird, der eigentlich genau dafür da ist, solche Lücken, solche Defizite auszugleichen, und das träfe, ausgerechnet im 50. Jahr seines Bestehens, gerade die Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind, die Kinder, die Älteren, die Behinderten. Ein Bus kostet jetzt mindestens 400000,-€ und das muss der Bezirk jetzt voll selbst finanzieren.

5. Reichen die bezirklichen Finanzmittel zum Bestandserhalt bzw. Ausbau Ihrer Medien annähernd aus?

 

Das lässt sich sehr einfach beantworten. Wir sind ja eine Verbrauchs-, keine Archivbibliothek. Medien verschleißen und veralten, und wenn der Bestand nicht regelmäßig erneuert wird, wird er im günstigsten Fall museal und im schlimmsten Fall klebrig und abgegriffen, mit Umschlägen, die niemand mehr anfassen mag. Wir brauchen standardmäßig, um diese Erneuerung und Aktualisierung leisten zu können, einen Betrag von rd. 1,5 Euro pro Einwohner. Das ist der Normwert. Tatsächlich erreichen wir gerade – in 2015- 1 Euro pro Einwohner. Fairerweise muss ich allerdings hinzufügen, dass wir in diesem Jahr durch Sondermittel des Landes, nicht des Bezirks, fast 100.000 Euro zusätzlich einsetzen können, um die Medienbedarfe von Geflüchteten abdecken zu können, und damit erreichen wir fast den Normwert. Darüber freuen wir uns natürlich.

 

Unser Problem ist allerdings ein längerfristiges. Wir bieten seit Jahren deutlich weniger Medien pro Einwohner an als die Berliner Bezirke. Das war lange der schlechteste Wert und, - 2015 - noch der zweitschlechteste Wert in Berlin und fast ein Viertel weniger als im Berliner Schnitt.  Das ist ein Problem auf zwei Ebenen. Einmal ein Versorgungsproblem, weil es reale Bedarfe der Bürgerinnen und Bürger gibt, die wir nicht ausreichend abdecken, für die wir die Bestände nicht aktuell halten können. Es ist aber auch ein finanzielles Problem, da wir uns über die Nutzung, in diesem Fall die Entleihungen, im Berliner Finanzsystem refinanzieren müssen, und dafür reicht die Menge der Medien, die wir anbieten können, einfach nicht aus, obwohl das, was wir anbieten, sehr gut genutzt wird. Aber was nicht da ist, kann nicht entliehen werden. Die vermeintliche Einsparung ist eine Milchmädchenrechnung des Bezirks, er spart kameral Geld ein, aber in der Kosten-/Leistungsrechnung verlieren wir, weil wir bestimmte Nutzungen nicht erbringen können, mit denen wir uns besser refinanzieren könnten. Entgangene Nutzungen durch den zu geringen Medienetat kosten den Bezirk richtig Geld.

 

6. Das Engagement Ihrer Mitarbeiter mit Kindern/Jugendlichen und mit Geflüchteten ist lobenswert, reichen die personellen Kapazitäten unabhängig von Finanzierungsproblem ohne weitere Reduzierung der Öffnungszeiten aus?

Unsere personellen Kapazitäten sind für die Flüchtlingsbetreuung sogar erweitert worden, weil uns aus dem Programm des Senats für die „Wachsende Stadt“ zwei Stellen zugeteilt worden sind, die wir, bis die neue Bibliothek in Friedenau realisiert werden kann, an anderen Stellen gezielt für die Flüchtlingsbetreuung einsetzen können. Die Einstellungsverfahren laufen derzeit, und das ist auf jeden Fall eine positive Botschaft.

 

Was die Öffnungszeiten angeht, die sind ja zur Zeit bereits stark eingeschränkt. In Friedenau ist die Bibliothek ganz geschlossen, dort hält jetzt der Bücherbus sechs Stunden in der Woche. Auch die Mittelpunktbibliothek Schöneberg mit ihren sehr attraktiven Öffnungszeiten ist von dort aus gut in wenigen Minuten zu erreichen. In Schöneberg-Nord bieten wir zwar noch 20 Stunden an, haben dort aber kein festes Personal mehr, um Angebote zur Leseförderung vorzuhalten. Auch für diese Nutzer bietet die Mittelpunktbibliothek Schöneberg eine Alternative, die sogar, was Öffnungszeiten, Medienbestand und Raumangebot angeht, deutlich attraktiver ist. Über weitere Einschränkungen denken wir zur Zeit nicht nach. Allerdings sind wir personell auch nicht in der Lage, unsere Ideen für eine Erweiterung zu realisieren, also z.B. in Lichtenrade eine Samstagsöffnung anzubieten, das wäre in diesem sehr bibliotheksaffinen Ortsteil eine sehr wirksame Maßnahme, oder die Samstagsöffnung in der Bezirkszentralbibliothek von gegenwärtig vier Stunden auszudehnen. Das können wir zur Zeit nicht realisieren. Wobei, mit den Öffnungszeiten unserer beiden großen Häuser und der großen Stadtteilbibliothek in Lichtenrade mit 40 Stunden in der Woche stehen wir im Bezirksvergleich nach wie vor sehr gut da. Von daher ist das jetzt nicht unsere größte Baustelle.

 

 

7. Sie hatten die Sondermittel für die Arbeit mit den Geflüchteten und besonders deren Kindern schon erwähnt, müsste das nicht verstetigt werden? Die Geflüchteten verschwinden ja nicht so schnell!

 

Das Land Berlin hat dem Bezirk für 2016 und 2017 Sondermittel in Höhe von 600.000 Euro für die zukünftige Bibliothek in Friedenau und die anderen bezirklichen Bibliotheken zur Verfügung gestellt. Für die 300.000 Euro, die wir in diesem Jahr ausgeben können, sind unsere Bestellungen für Medien, Möbel und digitale Informationsspeicher fast abgeschlossen, und ich gehe davon aus, dass wir die 2. Marge im nächsten Jahr in gleicher Weise einsetzen können. Natürlich müsste das perspektivisch verstetigt werden. Verstetigt werden müsste auch der Ansatz für die Medienausstattung, auf dem Niveau des schon erwähnten Standards von 1,5 €, damit wir unseren Rückstand bei der Versorgung pro Einwohner aufholen können. Mit dem Etat, den wir zur Zeit haben, bleiben wir immer Schlusslicht und werden auch unser Defizit in der Kosten-/Leistungsrechnung nicht verringern können.

 

8. Das leitet über zur der Frage, ob Sie in der Bezirkspolitik immer genügend Unterstützung für Ihre Aufgaben und die Ihrer Mitarbeiterinnen gefunden haben? Sie haben ja schon einige traurige Beispiele genannt, wo das offensichtlich gefehlt hat, Stichwort Bücherbus, Stichwort dringend erforderliche bauliche Maßnahmen. Haben Sie da Hoffnung, dass es da besser wird?

 

In unserer Abteilung auf jeden Fall. Unsere Stadträtin Frau Kaddatz, die ja auch wieder unsere neue Stadträtin ist, hatte immer eine feine Antenne für die besonderen Anliegen und Probleme der Stadtbibliothek und hat sich sehr engagiert und kompetent für uns eingesetzt, auch mit sehr fundiertem Fachwissen. Sie hat ja auch mit dem zweiteiligen Bibliothekskonzept von 2012/13, das Sie auf unserer Homepage auch nachlesen können, die Blaupause geliefert, die alles das auflistet, was zu tun ist, um eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten und die Stadtbibliothek zugleich in wirtschaftlicher Hinsicht zukunftssicher zu machen. Es ist nicht ihr anzulasten, wenn die Entscheidungen letztlich ausgeblieben sind, die uns ermöglicht hätten, unseren Rückstand gegenüber den anderen Bezirken aufzuholen.

 

9. Da wird das Bezirksparlament anzusprechen sein. Wir hatten ja vom Freundeskreis eine Veranstaltung noch im Wahlkampf mit den entsprechenden Leuten. Sind Sie da guter Hoffnung, was da gesagt worden ist, oder sind sie noch skeptisch? Verstehen Sie die von Ihnen stark unterstützte Gründung des Freundeskreis der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg als Hilferuf und was erhoffen Sie sich von seiner beginnenden Arbeit?

 

Die Initiative zur Gründung des Freundeskreises geht ja nicht auf uns zurück, sondern auf die Mehrheitsfraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung, und ich denke, das war ein bisschen so wie bei Münchhausen, dass sie sich selbst ein wenig unter Druck setzen wollten, um sich, um im Bild zu bleiben, aus dem Sumpf der Tatenlosigkeit zu befreien, den sie ja auch selbst bei der Wahlveranstaltung des Freundeskreises am 8. September sehr deutlich benannt haben. Ich hoffe jedenfalls, dass die nächsten fünf Jahre in dieser Hinsicht besser aussehen werden als die letzten fünf.

 

Ich freue mich, dass es den Freundeskreis gibt, und die Anfänge mit dem sehr konstruktiv und zielgerichtet agierenden Vorstand lassen ja hoffen, dass es im Bezirk vielleicht doch wieder zu einer parteiübergreifenden pro-Bibliothek-Stimmung kommt, wie ich sie in Tempelhof und dann auch in den ersten Jahren in Tempelhof-Schöneberg als ganz selbstverständlich erlebt habe. Ich wünsche mir so etwas wie z.B. in Augsburg, wo eine sehr engagierte, sehr lebendige und kreative Bürgerschaft erreicht hat, dass die Augsburgerinnen und Augsburger heute an einem zentralen Standtort eine nagelneue, sehr attraktive, sehr gut genutzte Bibliothek vorfinden. Das ist entscheidend auf eine private Initiative zurückgegangen. Wir haben genug brach liegende Baustellen, für die es lohnt sich einzusetzen, und die Bürgerinnen und Bürger dieses Bezirks haben lebendige, gut ausgestattete moderne Bibliotheken verdient, in denen man findet, was man braucht, und in denen man sich auch wohlfühlen kann, wenn man mal im Internet surfen, seine Schulaufgaben machen oder bloß Zeitung lesen will, und wenn der Freundeskreis dazu beitragen kann, das dies wieder zum Anliegen aller Parteien wird, würde ich mich sehr freuen. Unsere Mitarbeiterinnen stehen jedenfalls bereit und sind auch in der Lage, aus unseren Bibliotheken wieder richtige Leuchttürme zu machen, aber sie brauchen dabei auch Unterstützung!

 

10. Werden sie sich auch als Rentner für das bezirkliche Bibliothekswesen engagieren und womit muss man rechnen?

 

Ich werde jetzt erst mal auf Reisen gehen, gleich nach Weihnachten nach Südamerika – Argentinien, Paraguay, Uruguay - , und in zwei Jahren dann, wenn alles gut geht, einmal um die Erde, allerdings in mehr als 80 Tagen, und natürlich werde ich mir die notwendigen Informationen dazu im Wesentlichen aus der Bibliothek holen, die gibt es da analog und digital mehr als reichlich. In Tempelhof-Schöneberg sollen jetzt aber mal andere ran. Das muss nicht sein, dass der Leiter in Rente geht und dann immer noch an alter Stelle rumfuhrwerkt. Die Mitarbeiterinnen freuen sich auf die neue Leitung, auf neue Ideen, neue Initiativen, neuen Schwung. Ab dem 1.4.2017 wird es hier eine gute Lösung geben mit einem jungen Fachkollegen, der derzeit schon in der gleichen Funktion halbtags als Leiter in Friedrichshain-Kreuzberg tätig ist. Das ist eine Lösung von hoher Fachkompetenz, wie die Stadtbibliothek sie für die anstehenden Aufgaben z.B. im Hinblick auf Digitalisierung und verstärkte Zielgruppenarbeit auch dringend braucht. Ich bin sehr zufrieden mit dieser Nachfolge, die haben sich die Mitarbeiterinnen mit der guten Arbeit der letzten Jahre auch wirklich redlich verdient. Ich werde das aber allenfalls noch aus weiter Ferne beobachten, weil ich mich auch auf ein neues, anderes Leben freue.

 

Herr Dr. Boese, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrem reisenden Ruhestand! Ich weiß, wovon ich rede.

 

Foto: Weil
Foto: Weil